Sport : Aufbruch gen Osten

Die Füchse bauen im Sportforum Hohenschönhausen ihr neues Handball-Zentrum. Ein Rundgang mit Manager Bob Hanning.

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Kabinenpredigt. Hanning mit der A-Jugend der Füchse im Sportforum. Foto: Camera 4
Kabinenpredigt. Hanning mit der A-Jugend der Füchse im Sportforum. Foto: Camera 4Foto: camera4

Berlin - Es dauert nur wenige Minuten, bis Bob Hanning zu schwärmen anfängt. „Hier riecht es nach Leistung“, sagt der Füchse-Manager, „hier spürst du förmlich die Idee vom Spitzensport.“ Dabei weist an diesem vorwinterlichen Dezembertag absolut noch nichts darauf hin, dass an diesem Ort im Sportforum Hohenschönhausen ab dem 1. Juli 2013 eine sogenannte Füchse-Town existieren soll. Am ehesten ist das noch in der Trainingshalle vorstellbar, die das Horst-Korber-Zentrum ersetzen wird. Alles andere wirkt zum jetzigen Zeitpunkt noch steril, nur Bob Hanning sieht in Gedanken bereits viel mehr. Bilder, Plakate, Pokale, Computer, eine Videoleinwand und vieles mehr, was die neue Umgebung für die „Füchse-Familie“ wohnlich erscheinen lassen soll, kündigt er an.

„Du kommst hier rein und weißt sofort, dass du bei den Füchsen bist“, beschreibt der 43-Jährige die Vollendung seines „seit fünf Jahren bestehenden Traums“. Er selbst wird zunächst im Nebenzimmer der Trainer eine Dependance der Geschäftsstelle betreiben. Sein Ziel ist es, dann in absehbarer Zeit den derzeitigen Standort am Gendarmenmarkt völlig aufzugeben. An diesem Tag aber übergibt er gerade einmal die ersten Zimmerschlüssel an Kotrainer Alexander Haase, der sich ganz offensichtlich auch noch etwas verloren in dem Raum vorkommt, wo er zukünftig mit Dagur Sigurdsson und weiteren Kollegen einen Teil seiner Arbeit verrichten soll. Dort, wo Schule, Internat und Trainingsstätte nah beieinander liegen, und von der C-Jugend bis zu den Bundesliga-Profis die Füchse Berlin gemeinsam zu neuen Ufern aufbrechen wollen. Auch mit kurzem Weg zum Landessportbund und zum Olympiastützpunkt. „Berlin bietet einzigartige Möglichkeiten für den Spitzensport“, sagt Hanning und spricht in diesem Zusammenhang auch davon, „erfolgreiche Teile des früheren Ostsystems“ damit wieder aufleben lassen zu wollen. Schule, Ausbildung und Hochleistungstraining seien als Einheit zu betrachten und sollen sich letztlich in einem erfolgreichen Profiteam widerspiegeln. „Mit unserem Vorhaben haben wir viel Interesse geweckt“, erzählt Hanning, „im Dezember kommen noch Vertreter aus Melsungen und Nettelstedt zu uns.“

Dass hinter dem pädagogischen und leistungssportlichen Ansatz auch ein finanzielles Interesse steht, verhehlt Hanning nicht. „Teure Stars werden wir uns auch in Zukunft nicht leisten können“, meint er. Beim Etat um die fünf Millionen Euro, über den die Füchse derzeit verfügen, wird es bestenfalls auch zukünftig bleiben. Das werde sich auch schon im Team der nächsten Saison noch stärker zeigen. „Wir sind in der Nachwuchsarbeit klar die Nummer eins, jetzt beginnt die Zeit, die Talente verstärkt ins Profiteam einzubauen“, kündigt Hanning einen Umbruch an. Aktuell sieht er sein Spitzenteam „absolut im Plan“. Das Achtelfinale in der Champions League sei erreicht worden und in der Bundesliga war von vornherein das Saisonziel ein Europacupplatz. Es wirkt ein wenig komisch, als Hanning diese Punkte in Hohenschönhausen anspricht. Ein wenig ist Handball an diesem Ort in Berlin, wo vor über 20 Jahren schon einmal Spitzen-Handball gespielt wurde, unverdientermaßen in Vergessenheit geraten. Es gab einen SC Dynamo Berlin in der DDR-Oberliga, jährlich ein Neujahrsturnier und auch Länderspiele in der damals noch als groß und heute als nicht mehr zeitgemäß einzustufenden Sporthalle, neben der seit Jahren ein ehemaliges Sporthotel zerfällt.

Am Olympiastützpunkt trainieren Schwimmstar Britta Steffen, Diskus-Olympiasieger Robert Harting und die Eisbären. Die Füchse bereichern den Standort also. Bob Hanning rät bereits seinen Profis dazu, in die Nähe des Sportforums zu ziehen. „Wir sichern ihnen dabei jegliche Unterstützung zu“, sagt der Manager. „Füchse-Town ist für mich die Erfüllung eines Traums.“ Und wie er so durch die Gebäude läuft, ihn Lehrer, Betreuer und Trainer begrüßen, vermittelt er den Eindruck, bereits ein halbes Jahr vor dem offiziellen Start als alter Bekannter angekommen zu sein. Hartmut Moheit

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