Sport : Aufbruch in die Vergangenheit

Die Basketballer von Alba Berlin suchen mit einer neuen Mannschaft alte Erfolge

Benedikt Voigt

Berlin – Eine Anekdote aus der jüngeren Vergangenheit hilft vielleicht, die Gegenwart besser zu verstehen: Es war Ende März, als der Basketballprofi John Best seine Teamkollegen von Alba Berlin zur Geburtstagsfeier eingeladen hatte. Als der Tag gekommen war, wartete der Amerikaner zu Hause auf seine Mitspieler. Er wartete und wartete. Doch es erschien nur DeJuan Collins.

Wenn Alba Berlin heute bei der dreitägigen „Berlin Basketball-Trophy“ die neue Saison mit dem Spiel gegen Efes Istanbul (Max-Schmeling-Halle, 20 Uhr) eröffnet, werden Best und Collins nicht mehr dabei sein. Überhaupt werden die meisten Spieler aus jener Mannschaft fehlen, die sich im vergangenen Jahr oft als zerstritten und egoistisch präsentiert hatte. Eine Mannschaft, die erstmals seit sieben Jahren keinen Titel holte und die Qualifikation für die Europaliga verspielte. Deshalb durften nur fünf Spieler bleiben, sechs neue kamen hinzu. So einen Umbruch hat es bei Alba Berlin selten gegeben.

Früher sagte Marco Baldi: „Wir haben eine Philosophie, die heißt: Intensität und Kontinuität.“ Doch das mit der Kontinuität gilt in diesem Jahr nicht, nun sagt der Vizepräsident: „Entscheidend ist, ob man sein Potenzial erreicht.“ Allerdings habe der Verein seine Philosophie nicht verändert. Kontinuität beweist Alba nun im Umfeld, wo die ehemaligen Spieler Henning Harnisch (Teammanager) und Henrik Rödl (Kotrainer) eingebunden wurden. An die Namen der Spieler müssen sich die Fans allerdings erst noch gewöhnen: Gerald Brown, Michael Wright, Tanel Tein, Matej Mamic, Martynas Mazeika und Justin Brown.

Kein neuer deutscher Spieler kam hinzu. In Mannschaftskapitän Mithat Demirel, Stefano Garris und Guido Grünheid stehen nur noch drei Deutsche im Team. Auch das sei keine Änderung des Konzepts, beteuert Marco Baldi. Mit seiner neuen Mannschaft unterscheidet sich Alba, was die Nationalitäten betrifft, nicht mehr von anderen Bundesligateams wie Bonn oder Oldenburg, die seit einigen Jahren vermehrt auf ausländische Spieler setzen. „Es gibt nur sehr wenige deutsche Spieler auf höchstem Niveau“, erklärt Baldi. Es seien keine deutschen Spieler auf dem Markt, die bereit seien, in ihre Karriere zu investieren. Nationalspieler Jan Jagla war zwar ein Kandidat, um den Alba sich stets bemüht hatte. Als er sich überraschend im Sommer dafür entschied, das College nicht zu beenden, war seine Position bei Alba durch Szymon Szewczyk besetzt. „Wir können nicht zwei ähnliche Spieler in Konkurrenz stellen“, sagt Baldi.

Die spannende Frage wird nun sein, inwiefern sich die Zuschauer mit der neuen Mannschaft identifizieren können. „Wir wollen den Schnitt von 6709 Zuschauern in der Bundesliga halten und noch ein paar hinzugewinnen“, sagt Baldi, „das hängt davon ab, ob wir erfolgreich spielen und Leidenschaft entwickeln.“ Ebenfalls interessiert die Verantwortlichen, wie die Zuschauer den Uleb-Cup annehmen, die Liga unterhalb der Europaliga, in der die bekanntesten europäischen Gegner fehlen. Immerhin konnte Alba die Zahl der Sponsoren steigern und trotz einer geringeren Zahl an Spielen den Etat bei 4,5 Millionen Euro halten. Dabei werden Efes Istanbul und Maccabi Tel Aviv, zwei der besten europäischen Teams, nur an diesem Wochenende nach Berlin kommen. Ist das Vorbereitungsturnier sportlich bereits der Saisonhöhepunkt? Baldi sagt: „Ich hoffe nicht.“

Mit der aktuellen Mannschaft soll Trainer Emir Mutapcic an alte Erfolge anknüpfen: den Meistertitel holen und sich für die Europaliga qualifizieren. Doch Baldi denkt noch weiter. „Ich wünsche mir, dass diese Mannschaft möglichst lange zusammenbleibt.“ Stanojevic, Mamic, Sczewczyk, Mazeika besitzen mindestens Zweijahresverträge, bei den US-Amerikanern hat Alba eine Option auf eine Verlängerung. Bis diese Entscheidung ansteht, ist noch eine lange Saison zu spielen. Vielleicht sollte Alba erst einmal abwarten, wie viele Spieler zum Geburtstag von Michael Wright erscheinen.

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