Sport : Aufbruch in Vietnam

Herthas früherer Trainer Falko Götz hat eine neue Aufgabe gefunden

André Wornowski
Foto: AFP

Berlin - Falko Götz ist wieder da. Das heißt, eigentlich ist er weg, nach Vietnam aufgebrochen, wo der frühere Trainer von Hertha BSC jetzt die Fußball-Nationalmannschaft trainiert. Doch durch seinen exotischen Arbeitgeber ist der 49-Jährige auch wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. „Es hat sehr viele Medienanfragen dazu gegeben“, sagt Götz und bittet um Geduld, er habe zunächst keine vietnamesische Handynummer.

Jetzt ist die Nummer da – und mit ihr die Frage: Warum Vietnam? Götz sagt: „Ich darf wieder als Fußballtrainer und mit jungen Leuten arbeiten, darüber bin ich erst einmal unheimlich froh.“ Im September 2009 war der ehemalige Bundesliga-Trainer bei Holstein Kiel fristlos entlassen worden, offiziell weil er dem Spieler Marco Stier mit dem Handballen dreimal gegen die Stirn geschlagen haben soll. Es folgte ein Rechtsstreit, der im vergangenen Jahr mit einem Vergleich endete. „Da wurde ein Thema öffentlich aufgebauscht und eine Reaktion hervorgerufen, die nicht gerechtfertigt war“, sagt Götz, „am Ende hat es keinen mehr interessiert, dass ich mich nach der Berufung als moralischer Sieger fühlen konnte.“ Seither war er ohne Job geblieben.

Als letzten Ausweg oder gar als Flucht will der 49-Jährige sein Engagement beim Fußballzwerg Vietnam, dem 134. der Weltrangliste, jedoch nicht verstanden wissen. Im Gegenteil. Er habe zuletzt mehrere Anfragen erhalten, vor allem aus dem Ausland, aber nichts habe ihn so sehr gereizt wie der Auftrag im südostasiatischen Küstenstaat. „In dem Land steckt enormes Potenzial, die Fläche ist etwa so groß wie Deutschland und auch die Einwohnerzahl ist fast gleich“, sagt Götz.

Der ehemalige Bundesliga-Spieler hat einen Zweijahresvertrag abgeschlossen und will vor allem helfen, Strukturen aufzubauen. Talente sollen zukünftig systematisch ausgebildet werden. Dazu gehört, dass er neben der Nationalmannschaft, die er durch die Qualifikation für Olympia 2012 und für die Weltmeisterschaft 2014 führen soll, auch die U-23-Mannschaft betreut.

Bevor er unterschrieben hat, hat sich Götz im Internet über Land, Leute und Fußball informiert. Nur auf das Klima habe er sich nicht vorbereiten können, sagt er: „Es ist sehr warm und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch, man muss sich erst daran gewöhnen.“ Zurzeit arbeitet der Aufbauhelfer nur im Büro und sichtet Videos der Nationalspieler. Der erste Außeneinsatz steht demnächst im Trainingslager an, Ende Juni gibt er beim WM-Qualifikationsspiel gegen Macau sein Debüt. „Das wollen wir unbedingt gewinnen“, sagt Götz. In der zweiten Runde würde mit Katar ein stärkerer Gegner warten.

Der gebürtige Sachse, der Asien auf mehreren Urlaubsreisen kennen und schätzen gelernt hat, besuchte vor zehn Jahren erstmals Vietnam. Es habe ihm sofort gefallen. „Ein phantastisches Land mit wunderschönen Stränden und viel Natur“, sagt Götz, „ich finde mich hier gut zurecht, mag die Mentalität der Menschen.“ Ein Umzug kommt für ihn aber vorerst nicht in Frage. Er hat ein möbliertes Apartment in Hanoi bezogen, der Hauptstadt im Norden des Landes, und will zwischen Vietnam und Deutschland pendeln. Zur Arbeit wird er von einem Chauffeur gefahren. „Bei dem Verkehr hier ist es schwierig, sich alleine fortzubewegen“, sagt Götz, „ich habe noch in keinem Land der Welt so viele Fahrräder oder Mopeds gesehen.“ Zudem staunt er immer wieder über die vielen Baustellen. „Hier passiert etwas“, sagt er, „das Land befindet sich im Aufbruch.“ Demnächst vielleicht auch im Fußball.

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