Sport : Aufbruch mit Tiger

Golfprofi Tino Schuster überrascht bei den British Open bis zum 10. Loch als bester Verfolger von Woods – und fällt dann zurück

Petra Himmel

St. Andrews - Ernst blickt der junge Mann auf dem Puttinggrün, konzentriert, ganz wohl in seiner Haut fühlt er sich nicht am Freitag kurz vor Beginn seiner Runde. Noch am Vorabend hat Tino Schuster gestrahlt – und gleichzeitig ein wenig verwirrt ausgesehen. Diese British Open sind für ihn eine Premiere der besonderen Art, eine, auf die er nicht vorbereitet sein konnte.

Schuster hat sich vor gut fünf Jahren dazu entschlossen haben, ins Profilager zu wechseln. Während so mancher jugendliche Amateur dabei offenbar die Stärke der internationalen Konkurrenz übersieht und sich selbst überschätzt, hat Schuster stets das Zeug zum Profi mitgebracht. Der 27-Jährige vom Traditionsklub Stuttgart Solitude war 1998 Deutscher Amateurmeister, hat in der Nationalmannschaft gespielt, vor allem aber auch 1999 die Lytham Trophy gewonnen, die nach der British Amateur Championship als zweitwichtigstes Amateurturnier Europas gilt. Seine Eltern helfen ihm durch die finanziell schwierigen Anfangszeiten. Schuster also war einer, auf den die deutsche Golfszene hoffen konnte, als er im Jahr 2000 Profi wurde.

Doch dann war Schuster aus dem Blickfeld verschwunden. Er war erfolglos, hatte plötzlich keine Spielberechtigung für die Challenge-Tour mehr, sondern trat auf der kleinen EPD-Tour an. Krankheiten und Verletzungspech, wohl auch zu hoher Erwartungsdruck an die eigene Person, ballten sich zu einer ungünstigen Konstellation.

Es spricht für Schuster, dass er die Schläger nicht in die Ecke geworfen hat. Langsam und allmählich hat er sich wieder hochgearbeitet. Willi Hofmann, auch Bernhard Langers Trainer, ist ein Freund deutlicher Worte. Oft genug wird er Schuster gesagt haben, dass es viele talentierte Golfer gibt, aber nur diejenigen es auf die European-Tour der Profis schaffen, die arbeiten und trainieren bis zum Umfallen. Bei den BMW International Open in München im vergangenen Sommer hat er dann den Durchbruch geschafft. In einem erstklassigen Spielerfeld fand sich der Stuttgarter am Ende auf Rang elf wieder. „Seitdem spiele ich eigentlich solide“, sagt er über die vergangenen zehn Monate. Spitzenergebnisse auf der Challenge-Tour hat er nicht vorzuweisen, aber ordentliche Platzierungen und geschaffte Cuts.

Trotzdem kam die Qualifikation für die British Open überraschend. Am Sonntag stand sie fest, nach dem Ausscheidungsturnier auf dem benachbarten Platz von Leven Links. Als Erfolg ist schon das zu werten, weil es schwer ist, auf den Punkt Leistung zu zeigen. „Ich sehe jetzt mal, was kommt“, sagte Schuster vorsichtig. „Mein Ziel ist es, keinen Bunker zu treffen.“

Eine Strategie, die ihm nach der ersten Runde überraschend den geteilten dritten Rang bescherte. Da hatte Schuster mit einer glänzenden 68er-Runde Männer wie Ernie Els oder Vijay Singh locker hinter sich gelassen. „Ich war auch nicht nervöser als bei den Proberunden“, stellte er erleichtert fest. Die Nervosität stieg jedoch am zweiten Tag, als er sich bis zum 10. Loch auf Platz zwei hinter dem überragenden Tiger Woods gespielt hatte. Dann begann das Zittern. Mit einer Serie von Bogeys und Doppel-Bogeys fiel er nach einer 74er-Runde auf Rang 39 zurück. Doch die Unsicherheit ist verständlich, nie zuvor hat er ähnlich viele Zuschauer neben sich auf den Fairways erlebt. Es ist sein erstes Major-Turnier. Golf-Größen wie Tiger Woods, Retief Goosen oder Phil Mickelson stehen neben ihm auf der Driving Range.

Dem Druck der Major-Turniere haben Neulinge über vier Tage hin meistens wenig entgegenzusetzen. Immerhin liegt es ihm, dass in St. Andrews gegen den Uhrzeigersinn gespielt wird. Das Gefühl für die Dünenplätze mit ihren harten Fairways und buckligen Grüns hat er während seiner Aufenthalte in Großbritannien zu Amateurzeiten entwickelt. Ganz egal, wo er am Ende landet – ein Motivationsschub sind diese British Open allemal. Sie sind der Beweis, dass Schuster auf hohem Niveau mitspielen kann.

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