Sport : Aufbruch zu einem neuen Spiel

Was Zugang Bastürk mit Hertha erreichen will

Friedhard Teuffel[Walchsee]

Yildiray Bastürk kann viele interessante Antworten geben. Vom „leuchtenden Mond“ kann er erzählen, denn das heißt „Yildiray“ auf Deutsch, oder vom „Anführer der Türken“, das ist die Übersetzung von „Bastürk“. Aber die spannendste Frage beantwortet er nicht präzise. Warum nur ist der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen zu Hertha BSC gewechselt, obwohl er ein Angebot vom Deutschen Fußball-Meister Werder Bremen hatte und Anfragen von Klubs, die ihm noch mehr bezahlen wollten? Das ist er auch im Trainingslager der Berliner in Tirol gefragt worden, und inzwischen reagiert er schon ein wenig unwirsch darauf: „Das habe ich schon hundertmal gesagt, und man wird aus mir auch nicht mehr herausbekommen.“

Bisher hat er allenfalls von der großen Perspektive gesprochen, die Hertha habe. Er hätte im Trainingslager doch etwas deutlicher werden können, weil er nun eine kleine Weile zum Verein gehört und alle schon kennen gelernt hat. Aber er ist dabei geblieben. Hertha habe gute Aussichten. „In Zukunft muss Hertha BSC wieder international spielen“, sagt er. Die Verheißungen der Berliner sind ihm offenbar wichtiger als die Gegenwart bei anderen Klubs. Seinen Platz in der türkischen Nationalmannschaft sieht er durch seinen Wechsel ohnehin nicht in Gefahr. „Der Trainer kennt mich gut genug und weiß, was ich kann.“ Bastürk hat auf Geld verzichtet und auf die Teilnahme an der Champions League.

Dass Berlin die größte türkische Gemeinde in Deutschland hat, war nicht der wichtigste Grund, obwohl Bastürk sagt, er fühle sich eher türkisch als deutsch. Seine Freizeit werde er vor allem mit seinen neuen Mannschaftskollegen verbringen. „Die sind fast alle Singles. Da brauche ich mir kein türkisches Umfeld zu suchen.“ Für Hertha BSC war es nur ein Nebenaspekt, dass Bastürk türkische Fußballfans ins Stadion ziehen könnte. „Wir kalkulieren nicht mit zusätzlichen türkischen Zuschauern“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Jedoch verbinde Bastürk zwei Elemente miteinander: „Er ist in Deutschland aufgewachsen und muss nicht integriert werden. Andererseits erfährt er hohe Wertschätzung bei seinen Landsleuten, weil er sich für die türkische Nationalmannschaft entschieden hat.“

Bastürk ist jetzt zum ersten Mal weggezogen aus seiner Heimat, dem Ruhrgebiet. Er ist in Herne geboren worden und hat zu Hause mit seinen drei älteren Brüdern auf der Straße Fußball gespielt, bis sie nicht mehr mit ihm mithalten konnten. „Wahrscheinlich habe ich deshalb noch ein bisschen die Straßenfußballermentalität“, sagt Bastürk und meint damit sein Dribbelspiel auf engstem Raum. Er versuche immer, körperbetont zu spielen, um seine Größe von 1,68 Metern auszugleichen. Im offensiven Mittelfeld könnte er gemeinsam mit den beiden Brasilianern Marcelinho und Gilberto das Spiel der Berliner auf ein neues Niveau heben. Es ist möglich, dass gerade das ein Anreiz für Bastürks Wechselentscheidung war. Er kann in Berlin nun Teil des Aufschwungs werden, während zum Beispiel in Bremen der Druck nach dem Gewinn des Titels auch auf einem neuen Spieler wie ihm gelastet hätte. Aber reden möchte Yildiray Bastürk nicht mehr darüber. Vielleicht will er sich einfach an eine alte Fußballweisheit halten und die Antwort auf dem Platz geben.

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