Sport : Aufgelöster Männerbund

Cottbus beurlaubt Manager Stabach – nur Präsident Krein bleibt im Amt

Sandra Dassler[Cottbus]

Dieter Krein wollte sein Schicksal gerne mit dem anderer verbinden. „Wenn Eduard Geyer geht, geh’ ich auch“, pflegte der Präsident von Energie Cottbus zu sagen, wenn Forderungen nach dem Rücktritt des Trainers laut wurden. Daher galten Präsident, Trainer und auch Energie-Manager Klaus Stabach in Cottbus als verschworener Männerbund. Doch Geyer wurde von Präsident Krein im November beurlaubt, und nun ereilte Stabach das gleiche Schicksal: Vom 1. Februar an gibt der 64-Jährige die Geschäfte an den bisherigen Marketingleiter Ralf Lempke ab.

Als Krein die Personalie gestern auf der Pressekonferenz verkündete, war Stabach nicht anwesend. Noch am Mittwoch hatte er dem Tagesspiegel gesagt, er wolle nicht vor Ablauf seines Vertrages am 30. Juni 2005 aufhören: „Ich kann doch nicht zusehen, wie diese Leute mein Lebenswerk und den Profifußball in Cottbus zerstören“. Tatsächlich galt Stabach lange als Garant für solides Wirtschaften. Mit der Kirch-Krise, dem Abstieg von Energie in die Zweite Liga sowie den zurückgehenden Zuschauerzahlen und Fernseheinnahmen war er aber nach Ansicht vieler überfordert. Der laufende Etat hat eine Lücke von 330 000 Euro. Außerdem sollen die Verbindlichkeiten in Höhe von 5,5 Millionen Euro, darunter 3 Millionen Euro Bankkredite, nicht voll gedeckt sein.

Deshalb hatten die Hauptsponsoren und ein Teil der Fans den Rücktritt des Managers verlangt. 21 Fangruppen forderten zudem in einem offenen Brief, dass alle Vereinsorgane auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Vertrauensfrage stellen sollten – also auch Präsident Dieter Krein. Selbst der Verwaltungsrat hatte sich mehr oder weniger offen gegen Krein gestellt. Die Cottbuser Oberbürgermeisterin Karin Rätzel schlug sogar vor, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Spree-Neiße, Ulrich Lepsch, zum neuen Präsidenten von Energie zu wählen. Der lehnte dankend ab.

Ein weiser Entschluss, denn ein Retter braucht vor allem viel Geld. Doch die Hauptsponsoren Vattenfall und Envia hatten ihre finanzielle Unterstützung an den Rücktritt Stabachs geknüpft. Später dementierten sie die versuchte Einflussnahme zwar – wohl auch unter dem Eindruck entsprechender Schlagzeilen, die in den Konzernzentralen nicht gern gesehen wurden. Ihr Geld dürften sie trotzdem zurückhalten, denn die Ablösung Stabachs durch den langjährigen Marketingchef Lempke halten einige Sponsoren nur für einen taktischen Zug, um Zeit zu gewinnen. Sie glaubten, dass das Präsidium keinen unabhängigen Manager akzeptieren werde – aus Angst, er könne zu viel Einblick in vereinsinterne Praktiken bekommen. Auch am gestern ebenfalls vorgestellten Sanierungskonzept wurden schon Zweifel laut.

So ist eine wirkliche Lösung der Krise nicht in Sicht. Einig ist man sich in Cottbus nur darin, dass vieles von den ersten Spielen in der Rückrunde abhängt. Erfolg, also mehr Zuschauer und mehr Einnahmen, würden Kreins Amtszeit als Präsident verlängern. Ansonsten hätte er Stabach und Geyer umsonst geopfert. Manche erinnern ihn schon jetzt hämisch an sein Versprechen: „Wenn Geyer geht, geh’ ich auch“. Die Antwort ist typisch Krein: „Da halte ich es mit Adenauer: Was stört mich mein Geschwätz von gestern?“

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