Sport : Aufgemotzt zum Favoriten

Nach dem zweiten Saisonsieg in der Formel 1wächst bei McLaren-Mercedes wieder das Selbstvertrauen

Karin Sturm

Sepang. So locker wie nach dem Grand Prix von Malaysia hat sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug lange nicht mehr in der Öffentlichkeit gegeben. Der Sieg von Kimi Räikkönen im zweiten WM-Lauf – zwei Wochen nach dem Erfolg von David Coulthard zum Saisonauftakt der Formel 1 in Melbourne – hat ihm ganz augenscheinlich eine Last genommen. Vor allem deshalb, weil ihm der erneute Sieg die Bestätigung brachte, dass sein Team nicht auf besondere Umstände oder das Pech der Konkurrenz angewiesen ist. Haug kann nunmehr ziemlich sicher sein, dass sich McLaren-Mercedes nach den Enttäuschungen im vergangenen Jahr wieder auf dem Erfolgsweg befindet.

Mit dieser Entwicklung hatte David Coulthard, der die achte Saison für McLaren-Mercedes bestreitet, bereits vorher gerechnet. Wer sich wie Ferrari in physikalischen Grenzbereichen bewegt, kann sich nur noch geringfügig verbessern. Wir Verfolger wissen jedoch, was physikalisch noch möglich ist und können dementsprechend größere Entwicklungssprünge erreichen“, sagte der Schotte schon vor dem Saisonstart. Auf dem Reifensektor wird das mit Michelin besonders deutlich, während Ferrari mit Bridgestone nicht entscheidend vorangekommen ist.

„Wir haben in Sepang noch mal einen Gegencheck zu Australien gehabt. Die Strecke von Malaysia ist wesentlich repräsentativer für das, was im Laufe der Saison auf uns zukommen wird. Und wir haben besser ausgesehen“, sagt Haug. Wer ihm noch vor wenigen Wochen gesagt hätte, dass die Silberpfeile mit dem in einigen Details aufgemotzten alten Auto die beiden ersten Rennen gewinnen würden, dann hätte er das nicht für möglich gehalten. „Ich habe vor der Saison gesagt, ich zähle uns nicht zu den Favoriten. Jetzt sieht es halt ein bisschen anders aus, mag sein“, beurteilt Haug die Situation nach Malaysia. Einen Fehler aber, betont er nahezu in jedem Statement, dürfe man nicht machen: Weltmeister Michael Schumacher zu früh abzuschreiben. „Niemand ist unfehlbar – aber da darf man jetzt nicht drauf rumprügeln. Michael muss man immer auf der Rechnung haben, ein Mann wie er, der die Leistung gebracht hat, der bringt sie auch wieder“, sagt Haug. Dennoch hat McLaren-Mercedes momentan gegenüber Ferrari einen entscheidenden Vorteil, der Druck ist wesentlich geringer als bei den Italienern, das neue Auto an den Start zu bringen. Das sieht Haug ebenso: „Dadurch, dass es so gut läuft, haben wir da jetzt etwas Zeit gewonnen und brauchen nichts überstürzen." Inzwischen rechnet kaum jemand mehr damit, dass der neue McLaren-Mercedes, der noch keinen Meter gefahren sein soll, vor dem Österreich-Grand-Prix am 18. Mai zum Einsatz kommt.

Ein anderes Bild bietet sich dagegen bei Ferrari. Sepang vervollständigte schließlich den schlechtesten Saisonstart der Italiener seit fünf Jahren. Seit 1999 gewann das Team immer mindestens eines der ersten beiden Rennen. Dennoch soll das neue Auto, das angeblich um eine Sekunde schneller ist, nicht beim nächsten WM-Lauf in Brasilien eingesetzt werden. „Wir werden nicht die Dummheit begehen, eine Gewaltaktion zu starten. Der Neue kommt, wenn er fertig ist", sagt Michael Schumacher trotzig.

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