Sport : Aufgestanden und gespurtet

Hanka Kupfernagel hat den Weltmeisterschafts-Hattrick nicht geschafft. Auf dem Gelände des ehemaligen Formel-1-Kurses im belgischen Zolder musste die 27 Jahre alte Titelverteidigerin aus Berlin bei der Cross-WM nach 21,3 km mit der Silbermedaille zufrieden sein, nachdem sie in den vergangenen beiden Jahren den Titel geholt hatte. Hanka Kupfernagel musste sich nach einem Sturz in der dritten von sieben Runden in Belgien nur der Französin Lara Leboucher beugen. 75 000 Zuschauer verwandelten die WM bei strahlendem Sonnenschein im Mutterland des Cross zu einem Volksfest.

"Der Sturz war sicherlich die Ursache, dass ich aus der Spitzengruppe verschwand, aber man sollte ihn nicht überbewerten. Er war nicht allein schuld daran, dass ich den Hattrick verpasst habe. Ich hatte heute einfach nicht meinen besten Tag und bin deshalb zufrieden, im Spurt am Ende noch Silber geholt zu haben", sagte Hanka Kupfernagel, die sich mit ihrer neuen Equipe Nürnberger die Einladung zur Tour de France der Frauen erhofft.

Die Mountainbike-Europameisterin Leboucher hatte sich nach Kupfernagels Sturz bei einem Anstieg, als die Berlinerin mit der Niederländerin Daphny van den Brand aneinander geriet, allein an die Spitze gesetzt und brachte einen großen Vorsprung vor der Titelverteidigerin ins Ziel. Nach sieben Runden über je drei Kilometer wies die deutsche Ausnahmefahrerin, die die Premiere 2000 im niederländischen St. Michielsgestel und ein Jahr später im tschechischen Tabor gewonnen hatte, einen Rückstand von 1:04 Minuten auf Leboucher auf. Bei den dritten Titelkämpfen der Frauen im Cross sicherte sich van den Brand die Bronzemedaille. 33 Fahrerinnen waren am Start, die Berlinerin Birgit Hollmann war auf Rang acht zweitbeste Deutsche.

Hanka Kupfernagel war als Top-Favoritin an den Start gegangen, obwohl sie im WM-Vorfeld gegen van den Brand zwei Niederlagen hinnehmen musste. Kupfernagel, Silbermedaillen-Gewinnerin des Straßenrennens von Sydney, hatte sich mit van den Brand und Leboucher auf trockener Strecke nach zwei von sieben Runden abgesetzt. Der Sturz warf sie zurück. Mit den Nächstplatzierten bildete sie im Anschluss eine dreiköpfige Verfolgergruppe. Doch Leboucher ließ sich ihren Triumph nicht mehr nehmen. Kupfernagel, in der Weltrangliste auf den 40. Platz abgerutscht, hatte ihr gesamtes Wintertraining auf die Querfeldein-WM ausgerichtet und sogar auf lukrative Bahn-Rennen verzichtet. Mit einem erneuten Erfolg wollte Hanka Kupfernagel die persönlich schwierige Saison 2001 endgültig abhaken. Zu Beginn des vergangenen Jahres hatte sie sich von ihrem Ehemann und Trainer Torsten Wittig getrennt und dem niederländischen Farm-Frites-Team angeschlossen. Doch da kam sie nicht zurecht. Nach ihrem WM-Missgeschick von Lissabon, wo ihr beim Start des Zeitfahrens die Kette gerissen war, wechselte Hanka Kupfernagel ins Profi-Team Nürnberger und ließ sich von Jan Ullrichs Trainer Peter Becker beraten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar