Sport : „Aufklären, was passiert ist“

DOSB-Chef Bach über neue Regeln gegen Doping

Herr Bach, bedauern Sie den Ausstieg der Telekom aus dem Radsport?

Die Telekom nimmt eine konsequente und richtige Haltung ein. Das Unternehmen hat viel getan im Kampf gegen Doping. Aber nach so vielen Enttäuschungen ist es mehr als verständlich, wenn es sagt: Bis hierher und nicht weiter.

Ist der Radsport überhaupt reformierbar?

Der Radsport ist nach wie vor gefordert. Das gilt vor allem für die Fahrer. Viele scheinen von einem Bewusstseinswandel noch weit entfernt zu sein. Das hat man an Herrn Sinkewitz gesehen, der sogar noch vor der Tour de France 2007 gedopt hat, als sein Team längst öffentlich den Kampf gegen Doping proklamiert hatte. Dazu gehört schon einiges.

Im Radsport reiht sich eine Enthüllung an die nächste. Die Tour de France wurde von mehreren Dopingskandalen erschüttert, die Rad-WM in Stuttgart war ein Fiasko.

Umso wichtiger ist es, dass sich der Welt-Radsportverband UCI an verabredete Regeln hält. Dazu gehört die Erstellung von Blutprofilen für jeden Fahrer. Das Kontrollsystem muss von Seiten der UCI zügig und stark verbessert werden. Um neue Glaubwürdigkeit zu erlangen, bedarf es zudem einer rückhaltlosen Aufklärung. Es muss offengelegt werden, was in den letzten Jahren passiert ist.

Sollte der Profiradsport überhaupt noch öffentlich gefördert werden?

Auf nationaler Ebene entscheidet darüber das Bundesinnenministerium. Wir als Deutscher Olympischer Sportbund verlangen aber künftig von jedem Verband einen Dopingbericht über das abgelaufene Jahr. Der muss bis zum 31. März eingereicht werden und wird dann von der Nationalen Anti-Doping-Agentur geprüft. Wir geben das an das Innenministerium weiter. Wenn es Auffälligkeiten gibt, wird im Zweifel die Förderung gekürzt.

Die Fragen stellte Robert Ide.

Thomas Bach, 53, ist Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen  Olympischen  Komitees (IOC).

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