Aufräumen im Radsport : Die geheimen Jäger der Profis

Der Weltverband beruft eine Reformkommission. Die ist den Namen nach zwar prominent besetzt, hat faktisch aber kaum Möglichkeiten, etwas zu bewegen.

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Im Radsport soll also mal wieder aufgeräumt werden – und zwar mit einem ganz neuen Team. Der im September gewählte Präsident des Weltverbandes UCI, Brian Cookson, hat dazu drei Personalien bekannt gegeben: den deutschen Sportrechtsexperten Ulrich Haas, den ehemaligen Schweizer Staatsanwalt und Ermittler von Menschenrechtsverletzungen, Dick Marty, sowie den früheren australischen UN-Ermittler bei Kriegsverbrechen, Peter Nicholson. Sie bilden die sogenannte Unabhängige Reformkommission. Damit sind Männer nominiert, deren Arbeitsbiografien sich gegenüber den aufzuarbeitenden Sportbetrugsdelikten gewaltig ausnehmen.

Marty leitete etwa die Untersuchungen des Europarats zu den Geheimgefängnissen der CIA in Europa und legte sich offen mit US-Präsident Obama wegen des Gefangenenlagers Guantanamo an. Auch Nicholson hat sich schon mit anderen Kalibern als dopenden Radprofis auseinandergesetzt. Er ermittelte im Auftrag der Uno zum Attentat auf den libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri. Haas machte sich einen Namen als Richter im Sportschiedsgericht CAS. Er setzte unter anderem die zweijährige Dopingsperre gegen Radprofi Alejandro Valverde durch.

Das Gremium besitzt allerdings nur begrenzte Befugnisse. Es ist eine Reform-, aber keine Aufarbeitungskommission, wie sie von zahlreichen Kritikern gefordert wurde. Sie hat vor allem das Recht, Sportler zur Anhörung zu bestellen, die bislang nicht von Dopingverfahren betroffen waren, nun aber gestehen wollen. Ihnen kann sie Straferlass zubilligen. Schon verurteilten Dopingtätern hingegen kann sie nichts versprechen. Deren Neigung zur Aussage dürfte daher begrenzt sein. Das deutete bereits Lance Armstrong an. „Ich bin der Erste, der zu jeder Kommission der UCI geht“, sagte Armstrong noch vor wenigen Wochen. Kürzlich klang das dann schon wieder ganz anders: „Niemand hat Kontakt mit mir aufgenommen.“

Der Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA), Travis Tygart, hält Armstrongs Angebot für Propaganda. „Obwohl er seit Juni 2012 seine Hilfe angekündigt hat, hat er bislang jede konkrete Möglichkeit dazu verweigert“, sagte Tygart. Dennoch dürfte die Kommission vor allem innerhalb der UCI einiges bewegen. Präsident Cookson erteilte ihr den Auftrag, „die Anschuldigungen, dass die UCI in der Vergangenheit in Missetaten verwickelt war, aufzuklären.“ Das bezieht sich vor allem auf vermutete Geldzahlungen einzelner Spitzenprofis, um positive Dopingtests unter den Tisch fallen zu lassen. Gelingt der Kommission hier volle Wahrheitsfindung, kann tatsächlich eine neue Ära anbrechen.

Bislang befindet sich Präsident Cookson im Plan des Erneuerungsmanifests. Nun müssen aus den Akzenten nachhaltige Aktionen werden.

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