Sport : Aufregung über die Langeweile

Karin Sturm[Melbourne]
Erhöhter Diskussionsbedarf. Michael Schumacher (r.) forderte unmittelbar nach dem Qualifying von Fernando Alonso eine Erklärung für seine Blockade. Foto: dpa
Erhöhter Diskussionsbedarf. Michael Schumacher (r.) forderte unmittelbar nach dem Qualifying von Fernando Alonso eine Erklärung...Foto: dpa

Das Qualifying von Melbourne bot immerhin genügend Spannung, sonst hätte es nicht so viel Aufregung um Michael Schumacher geben können. Der Formel-1-Rückkehrer, der auf Startplatz sieben fuhr, beschwerte sich vor dem Rennen in Melbourne (8 Uhr, live bei RTL und Sky) gleich zweimal. Erst fühlte er sich vom Briten Lewis Hamilton behindert. „Der hat seine Runde vorbereitet und hat sich einen größeren Abstand zum Vordermann verschaffen wollen, aber dabei kam er mir in den Weg“, sagte Schumacher. Und dann war da noch Fernando Alonso.

Den für Ferrari fahrenden Spanier stellte Michael Schumacher sofort im Parc Fermé zur Rede. „Ich wollte nur wissen, ob ihn das Team nicht informiert hat, dass ich von hinten komme.“ Alonso war auf seiner Auslaufrunde deutlich langsamer auf der Ideallinie gefahren, so dass Schumacher bei seinem Versuch, eine schnelle Runde zu fahren, Tempo herausnehmen musste und durch den Zeitverlust einen besseren Startplatz einbüßte. Normalerweise machen die Teams ihre Fahrer auf schnellere Nachrücker aufmerksam. Alonso habe ihm versichert, Ferrari habe das nicht getan, sagte Schumacher, „Ich unterstelle ihm keine Absicht, aber er war nicht auf einer schnellen Runde, das war nicht sehr nett“, sagte er. Direkt nach der Qualifikation hatte er sich auch bei Charlie Whiting, dem Technischen Delegierten des Internationalen Automobil-Verbandes FIA, beschwert.

Damit war die Qualifikation von Melbourne bereits deutlich aufregender als das Rennen zuletzt in Bahrain. Viele machen das neue Reglement dafür verantwortlich. Durch das neue Nachtankverbot sind die strategischen Möglichkeiten in den Rennen eingeschränkt. Der obligatorische Reifenwechsel findet nun bei den meisten Teams in denselben zwei oder drei Runden statt. Und durch das Qualifying mit fast leerem Tank spiegelt die Startaufstellung das exakte Kräfteverhältnis im Rennen wider, das Ergebnis ist dann ein langweiliges Hintereinanderfahren wie in Bahrain.

Wobei ein Fahrer nichts gegen Langeweile hätte. Sebastian Vettel, der sich mit seinem Red Bull in Melbourne erneut die Poleposition sicherte, sagte: „Tut mir leid für die Zuschauer, aber ich hoffe auf ein langweiliges Rennen, und dass wir dort ins Ziel kommen, von wo wir losfahren.“ Wobei er wusste, dass die Wahrscheinlichkeit dafür angesichts unsicheren Wetters und der Streckencharakteristik nicht so groß ist wie in Bahrain. „Hier hat es immer viele Safetycar-Phasen gegeben, es gibt nicht viele Auslaufzonen“, sagte er, „in Bahrain fährt man einfach neben die Strecke und kehrt wieder zurück.“

Weil die Strecke und äußere Umstände mindestens genauso über Spannung in einem Rennen entscheiden wie das Reglement, warnen einige vor vorschnellen Regeländerungen. „Wir sollten nicht die negativen Aspekte in den Vordergrund rücken, es gab auch in der Vergangenheit sehr, sehr langweilige Rennen“, sagt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. Man werde das Problem aber nicht totschweigen, sondern offen diskutieren. Bei einem Treffen der Teamvereinigung Fota am Rande des Rennens in Malaysia soll eine erste Bilanz gezogen werden. „Wir wollen keine künstlichen Eingriffe in die Weltmeisterschaft“, sagte Domenicali. Auch Mercedes-Teamchef Ross Brawn sagte: „Es gibt einfach einige Strecken, die traditionell kaum Überholmanöver bringen, Bahrain gehört dazu.“

Auch Rennsport-Experte Christian Danner kann die Forderung nach sofortigem Handeln nicht verstehen: „Nach Melbourne und Malaysia wird sich alles ganz normal eingependelt haben.“ Er sieht in den neuen Regeln sogar einen Vorteil. „So sind die Fahrer gezwungen, von sich aus etwas zu tun“, sagte er, man könne sich nicht mehr auf die Strategie des Teams verlassen.

Toro-Rosso-Pilot Sébastien Buemi sieht auch eine übersteigerte Erwartungshaltung als Ursache. „Problem war wohl auch, dass sich die Leute zum Saisonauftakt sehr viel erwartet haben, mit dem Schumacher-Comeback, mit Alonso bei Ferrari, mit den neuen Teams“, sagte er, „dadurch ist dann irgendwie die Vorstellung aufgekommen, es müsste jetzt auf einmal viel mehr los sein.“ Eine Lösung sieht er allerdings auch nicht, er glaubt sogar eher, dass es langweilig weitergeht. „In der Formel 1 fahren lauter sehr gute Leute, alle haben im Windkanal sehr viel gearbeitet, das Reglement ist immer enger gefasst, da kann es überhaupt keine großen Unterschiede mehr geben.“

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