Sport : Aufs Eis geführt

Claudia Grell

Nur 44 Tage nach seiner schweren Verletzung beim Grand Prix in Gelsenkirchen hat Eistänzer René Lohse sein Comeback auf dem Eis gefeiert. An der Seite seiner Partnerin Kati Winkler begeisterte er das Publikum am Samstagabend bei der traditionellen Weihnachtsgala ihres Vereins SC Berlin. Obwohl er nur einige einfache Teile der Choreografie des aktuellen Originaltanzes zu Flamenco-Musik zeigen konnte, war das Berliner Eistanzpaar insgesamt sehr zufrieden. Direkt nach seinem Auftritt sagte René Lohse erleichtert: "Ich habe keine Schmerzen. Die Heilung verlief bis heute optimal, sodass ich jetzt eine 90-prozentige Olympia-Chance habe." Wie wichtig dieser erste Härtetest für ihn und sein Umfeld war, zeigt sich auch nach dem Auftritt. Per Handy informierte er sofort Trainer Martin Skotnicki in Oberstdorf über den ersten kleinen Erfolg.

Ans Olympia-Aus gedacht

Erleichtert und optimistisch wirkt jetzt auch wieder Renés Partnerin Kati Winkler. "Für mich waren die ersten Wochen so schlimm, dass ich zu meinen Eltern nach Berlin geflohen bin, und ich war sicher, dass Renés Verletzung unser Olympia-Aus bedeutete." Schließlich sei man als Teil eines Paares immer verletzlicher, da schon der Ausfall eines Partners das gemeinsame Aus bringe.

Dagegen war ihr 28-jähriger Eistanzpartner schon kurz nach seiner Operation in einer Berliner Privatklinik wieder voller Hoffnung auf ein baldiges Comeback. Denn trotz eines doppelten Innenbandabrisses und eines Meniskusabrisses im linken Knie hatte er noch Glück im Unglück. "Das hintere Kreuzband war noch teilweise erhalten, sonst hätte ich vier Monate aussetzen müssen." Während René Lohse in einer Rehabilitationsklinik am Tegernsee, gemeinsam mit dem deutschen Abfahrer Florian Eckert, schnelle Fortschritte machte, mühte sich Kati Winkler alleine durch die Trainingseinheiten in Oberstdorf. Da ihr Partner nun mal nicht greifbar war, musste ein Stock als Ersatz auf dem Eis herhalten. "Ich konnte zwar keine Hebungen üben, aber ich hatte wenigstens das Gefühl, einen Partner im Arm zu halten", erzählt sie heute schmunzelnd. Der Stock wurde aber Ende letzter Woche mit der Rückkehr Lohses auf das Eis wieder in die Ecke gestellt, schließlich "gibt es keinen besseren Partner als René".

Vorläufig ist aber nur eine Stunde Eistraining am Tag für Lohse erlaubt. Um das Knie nicht zu gefährden, trainieren die beiden daher nur Bewegungsabläufe und Griffe, ohne viel Tempo. Das zeigt, wie zielstrebig das beste deutsche Eistanzpaar auf ein Comeback hinarbeitet, denn eigentlich ist das gemeinsame Eistraining von den Therapeuten erst für Anfang Januar erlaubt worden. Zur Sicherheit und Stabilisierung seines Knies betritt Lohse das Eis in den ersten zwei Wochen auch nur mit einer speziellen Metallschiene, außerhalb der Eisbahn reicht eine Bandage aus.

Eine langsame Steigerung der Trainingsumfänge erfolgt dann erst nach den Weihnachtsfeiertagen in Oberstdorf. Dort trainieren und leben die beiden Mitglieder der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Sonthofen seit einigen Jahren. Beide sind zuversichtlich, was ihre Chancen auf einen Olympia-Start angeht. Ihre Saisonvorbereitung lief bis zu der Verletzung von Lohse sehr gut. "Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon so weit wie sonst gegen Ende einer Saison", so René Lohse. Im Sommer hatten sich die Eistänzer für die olympische Saison ein Training bei Christopher Dean, Olympiasieger im Eistanz von 1984, geleistet und hier große Teile ihrer Programme erarbeitet.

DEU hat das letzte Wort

Zusätzliche Motivation und Unterstützung erhielten sie in der letzten Woche durch die Ankündigung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), dass für ihre Olympia-Nominierung ein ärztlicher Gesundheitstest bis zum 25. Januar ausreicht. Durch diese Ausnahmeregelung müssen sie nicht an den Europameisterschaften in Lausanne (14. bis 20. Januar 2002) teilnehmen, um dort die eigentliche Norm, eine Top-10-Platzierung, zu erreichen. "Wir sind froh über diese Entscheidung, die EM wäre für uns zu früh gekommen", sagt René Lohse. Ihre Form müssen sie aber dennoch vor den Augen der Deutschen Eislauf-Union (DEU) beweisen. Ende Januar müssen sie dann als Formtest ihre aktuellen Programme präsentieren, und nur mit Zustimmung der DEU dürfen sie zu den Olympischen Spielen fahren.

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