Sport : Aufs Rad gesetzt

Wie Scharping Verbandspräsident werden soll

Mathias Klappenbach

Berlin - Rudolf Scharping will vorher nichts mehr sagen, „aus Respekt vor dem Amt“. Über Scharping selbst ist hingegen viel gesagt worden, seit klar ist, dass der frühere Kanzlerkandidat, SPD-Vorsitzende und Bundesverteidigungsminister Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) werden will. „Er ist der ideale Mann für unseren Neubeginn“, sagt Dieter Kühnle, der als Vizepräsident des BDR für Marketing und Kommunikation zuständig ist und auch der Findungskommission vorsitzt, die den besten Kandidaten für die Präsidentenwahl auf der Bundeshauptversammlung am 19. März auftreiben soll. Scharping habe in der Vergangenheit im Hintergrund schon viel für den Radsport getan, etwa bei der Wiedereinführung der „Deutschland-Tour“.

Die Meinung Kühnles wird im Verband nicht von allen geteilt. „Es ist gut, wenn jemand bekannt ist. Aber es kommt auch darauf an, wofür er bekannt ist“, heißt es hämisch bei Insidern zu den Affären des Politikers. Scharping selbst, der über die ihm angetragene Kandidatur mehrere Wochen nachgedacht hat, war laut Kühnle „klar, dass viel Spott hochkommen wird“. Auch in der Öffentlichkeit ruft die Bewerbung eher Heiterkeit hervor. Harald Schmidt hat schon seine Witze gemacht, laut der Zeitung „Neues Deutschland“ spricht für den 57-Jährigen „die grauenhafte Vorstellung, er könnte stattdessen erneut irgendein wichtiges politisches Amt übernehmen“. Danach sieht es nicht aus, die Kandidatur in seinem Wahlkreis und die Bewerbung um einen Spitzenplatz auf der Landesliste der SPD in Rheinland-Pfalz für die Bundestagswahl 2006 gelten als gefährdet.

Am Samstagmorgen muss Scharping, der bei der Tour de France einst im Wagen des Team Telekom mitfuhr, dem Präsidium, den Präsidenten der Landesverbände und der Findungskommission in einem Hotel in Hofheim im Taunus erklären, warum er der beste Kandidat für die Nachfolge der zurückgetretenen Sylvia Schenk ist. Denn nach dem Mittagessen tritt der andere Kandidat auf: Max Benz. Als einziger der fünf anderen Kandidaten hat er seine Bewerbung aufrecht erhalten. So kam es zu einem unterhaltsamen Vorwahlkampf mit anonymen Briefen, dem angeblich unfreiwilligen Rücktritt anderer Kandidaten und öffentlichen Polemiken. Sogar die Fahrkünste der Kandidaten waren Thema. Scharping erzählt gerne, dass er die legendären Berge Tourmalet und Mont Ventoux bezwungen hat. Auf dem Rad hätte er aber keine Chance gegen Benz. Der hat mit dem Profi-Team Wiesenhof jüngst ein Trainingslager bestritten. Der Direktor eines Sporthotels sieht sich als Mann der Basis. „Ich habe eine große Nähe zum Radsport. Es ist gut, wenn ein junger Mann mit Kontakten zur Wirtschaft frischen Wind in den von geplanten Kürzungen der Fördergelder hart betroffenen Verband bringen würde“, sagt der 35-Jährige, der sich im März auf jeden Fall zur Wahl stellen will.

Die Findungskommission bezweifelt die Fähigkeiten von Benz. Zum Anforderungsprofil gehöre neben dem Bekanntheitsgrad, Beziehungen zu den staatlichen Förderstellen und sportpolitischer Kompetenz vor allem Erfahrung im Krisenmanagement. Nicht erst seit den Querelen um die Nominierung des Bahnvierers für Olympia und dem Stinkefinger von Silbermedaillengewinnerin Judith Arndt steht der BDR schlecht da. „Um eine Schlammschlacht auf Provinzebene zu vermeiden, brauchen wir eine klare Wahlempfehlung“, sagt Dieter Kühnle. Und im März ein gutes Wahlergebnis für Rudolf Scharping.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben