Sport : Aufschwung West

Nach dem Abwenden der Insolvenz siegt Borussia Dortmund 3:2 in Hamburg

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Vor Beginn der Partie gegen Borussia Dortmund sind Hamburgs Spieler zusammengekommen. Sie haben in der Nähe der Mittellinie das zelebriert, was ihr Trainer Thomas Doll den „Freundeskreis“ nennt. Beim 2:0 im Hinspiel, Dolls erstem Einsatz als Cheftrainer, hatten sich die HSVProfis erstmals auf diese Weise auf ihren Arbeitstag eingestimmt und waren seither vom letzten Tabellenplatz bis auf Rang fünf vorgeprescht. Das Foto von der Premiere hängt in der Kabine, „und immer wenn wir drauf schauen“, erzählt Doll, „sagen wir uns: Da hat alles angefangen.“ Das Glück verheißende Ritual brachte vor 55 500 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena diesmal jedoch keinen Erfolg. Der Hamburger SV verlor mit 2:3 (1:1) gegen Dortmund, bot dabei nur in der turbulenten und kurzweiligen ersten Hälfte eine sehenswerte Leistung.

Allerdings gehörte die Anfangsphase den Gästen, die in der zehnten Spielminute durch Tomas Rosicky in Führung gingen. Es war das erste Feldtor seit drei Jahren, das der kleine Tscheche in der Fremde erzielte. Nur eine Minute später hätte sein Landsmann Jan Koller den Vorsprung ausbauen können, kam jedoch einen Schritt zu spät. Mit der verletzungsbedingten Auswechslung des langen Sturmführers kurze Zeit später war es jedoch vorbei mit der Dortmunder Herrlichkeit.

Fortan spielte nur noch der HSV, und es mussten schon viele Faktoren zusammenkommen, damit es bei Chancen im Minutentakt nicht früher zum Ausgleich kam: das Wohlwollen von Schiedsrichter Helmut Fleischer, der eine strafstoßverdächtige Attacke von Rosicky an Naohiro Takahara ungeahndet ließ, das Unvermögen der HSV-Stürmer, der Pfosten, an den Takahara den Ball köpfte, und großartige Paraden des prächtig aufgelegten BVB-Torhüters Roman Weidenfeller.

Erst nach einer halben Stunde wurde der Hamburger Sturmlauf mit dem 1:1 durch Collin Benjamin belohnt. Wobei sich Georg Schalk als aufmerksamer Schiedsrichterassistent erwies. Er sah, dass Weidenfeller den Kopfball des Abwehrmannes erst hinter der Linie erwischte.

Nach dem Seitenwechsel entschlossen sich beide Teams, ein wenig Tempo aus der Partie zu nehmen und dafür mit Standardsituationen zu glänzen. Zu Beginn des Freistoßfestivals streichelte Stefan Beinlich den Ball zur HSV-Führung ins Tor (57.), vier Minuten später hämmerte Lars Ricken das Spielgerät zum Ausgleich in den Winkel. Als es danach aussah, als hätten sich die Kontrahenten auf eine Punkteteilung geeinigt, sorgte der eingewechselte Brasilianer Enrique Ewerthon für die späte Entscheidung (87.).

Für den wieder erstarkten HSV bedeutete dies einen herben Rückschlag, den sich das Team nach Einschätzung von Beinlich selbst zuzuschreiben hatte: „Wir haben in der zweiten Halbzeit zu viele Räume gelassen und schlecht gestanden. Uns fehlt ein wenig Cleverness.“ Dagegen feierten die Dortmunder die drei Punkte als Sieg der Moral. „Wir können stolz auf diese Leistung sein“, verkündete Interims-Kapitän Sebastian Kehl. Für BVB-Sportmanager Michael Zorc war der Erfolg eine Spätwirkung der Versammlung der Molsiris-Anteilseigner, bei der am Montag das Überleben des Revierklubs erst einmal gesichert worden war: „Unser Verein hat wieder eine Perspektive, das hat man heute gespürt.“

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