Sport : Aufstand der Alten

Beim FCK steht die Nacht der Abrechnung an

Oliver Trust

Kaiserslautern. Die alte Garde wehrt sich. Und viele erwarten am Dienstag, wenn der 1. FC Kaiserslautern seine Mitgliederversammlung abhält, eine Nacht der Abrechnung. Der ehemalige Klubchef Jürgen Friedrich hat bereits angekündigt, er wolle am Mikrofon kräftig zulangen. Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Robert Wieschemann sieht keine Fehler des alten Präsidiums. Und nun hat sich Geschäftsführer Gerhard Herzog um Kopf und Kragen geredet, als er in einem Interview mit der „Rheinpfalz“ behauptete: „Der FCK war nicht am finanziellen Abgrund.“ Daraufhin trennte sich der mit rund 17 Millionen Euro verschuldete Fußballklub von Herzog. Nachfolger ist der Finanzexperte Erwin Göbel. Die Verteidigungsreden des Trios aber füllen ganze Zeitungsseiten. Die Versuche der Ehemaligen, ihre Unschuld zu dokumentieren, werfen viele Fragen auf.

Haben sie Recht und alles war gar nicht so schlimm, müsste der Notvorstand René Jäggi ein ordentlicher Blender sein, der die Lage dramatisiert, um selbst als Held dazustehen. „Wenn die drei Herren ihren Job gemacht hätten, wären wir nicht in dieser Situation“, sagt Jäggi. Seine Version der Dinge wird von den Banken gestützt. Von denen ist zu hören, die Lage sei sehr wohl bedrohlich gewesen, als der Verein ohne gültige Kreditverträge mit dem Umbau des Fritz-Walter- Stadions begann. Der einflussreiche rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck ließ seinen treuen Gefolgsmann Herzog nun fallen wie eine heiße Kartoffel. Zudem sitzt im Aufsichtsrat, der Herzog die Entlassung mitteilte, mit Walter Zuber der Innenminister des Landes. Als sich die Lage zuspitzte, berief Beck einen Runden Tisch ein, beorderte Staatssekretäre als Sonderbeauftragte in die Westpfalz und sprach ein Machtwort, das vor allem Jäggis Version stützte.

Herzog hat Jäggi mit seinen Angriffen bewusst provoziert und eine Machtprobe heraufbeschworen, aus der er als Verlierer hervorgehen musste. Derweil wiederholte Aufsichtsratsmitglied Bernhard Deubig, der Oberbürgermeister der Stadt Kaiserslautern, die Vorwürfe, der Aufsichtsrat sei über den Vertrag mit Ciriaco Sforza nicht informiert gewesen. Des Weiteren zeigte sich Deubig verwundert über Herzogs Enthüllungen im Hinblick auf den Spieler Taribo West. Der Nigerianer hatte offenbar neben dem beim DFB eingereichten Vertrag weitere Zahlungen (jährlich 1,7 Millionen Mark) bekommen, die an eine Firma in Mailand überwiesen wurden. Vor Jäggis Einstieg habe der Aufsichtsrat davon nichts gehört. Jäggi spricht, wenn er etwas über seine Vorgänger sagt, diplomatisch von „ausgeprägten Verdrängungsmechanismen“ und „strategischen Fehleinschätzungen“. Aus Bankenkreisen heißt es: „Vorstand und Kontrollgremien haben die Lage völlig falsch eingeschätzt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben