Sport : Aufstand der Missachteten

Beim 4:2 der Bayern gegen Freiburg treffen auch Demichelis und Timoschtschuk

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Es war eine eindeutige Dienstanweisung, die Christian Nerlinger nach dem Pokalsieg gegen Bremen am Dienstag ausgegeben hatte: Neun Punkte hätten ihm die Spieler gefälligst aus den drei anstehenden Partien gegen Freiburg, Mönchengladbach und Nürnberg mitzubringen, um das Elend in der Liga ein wenig zu mildern. Zumindest den ersten Teil dieser Aufgabe haben die Spieler des FC Bayern zur Zufriedenheit ihres Sportdirektors gelöst. Sie gewannen das Heimspiel gegen den SC Freiburg am Freitagabend 4:2 (1:0) und können sich nun ohne gar zu schlechtes Gewissen das Spitzenduell Mainz gegen Dortmund anschauen.

Eigentlich hatte Bayerntrainer Louis van Gaal zum dritten Mal hintereinander mit derselben Formation in das Mittelfeldduell des Tabellenelften (Bayern) gegen den Siebten gehen wollen. Doch Holger Badstuber sagte nach dem Aufwärmen seinen Einsatz ab, Diagnose: Schambeinentzündung. Also kam unverhofft der eigentlich völlig abgemeldete Argentinier Martin Demichelis zu einer Bewährungsprobe an der Seite von Anatolij Timoschtschuk, den van Gaal jüngst lieber per Crashkurs zum Innenverteidiger umgeschult hatte, als auf den dafür ausgebildeten Demichelis zu setzen.

Die Freiburger beschränkten sich darauf, die eigene Hälfte zu bewachen, indem sie geschickt den Raum rund um den ballführenden Bayernspieler verdichteten. Und auch diesmal fehlte den Bayern ohne Robben und Ribéry die Inspiration, solche Situationen aufzulösen. Aus Ratlosigkeit wagte Hamit Altintop einen Schuss aus knapp 20 Metern, doch der sauste etwa 15 Meter daneben. Kurz darauf hatte Ersatz-Strippenzieher Kroos dann mal die Idee zu einem schönen Pass auf Mario Gomez. Das Beste, was man über dessen Schuss sagen kann, ist, dass er dem Tor ein paar Meter näher kam als Altintops Versuch. Deutlich besser, aber noch nicht gut genug, machte es Andreas Ottl. Seine Direktabnahme ging nur noch etwa einen Meter am Tor vorbei. Ein paar Angriffsversuche der Freiburger waren inzwischen wirkungslos verpufft. Es war ein Eckball, der den Bayern aus der Patsche half. Danijel Pranjic zog die Flanke scharf herein, Demichelis rammte den Ball per Kopf zum 1:0 ins Tor. Jetzt musste ihn auch van Gaal ein bisschen liebhaben.

Nach der Pause war es Bastian Schweinsteiger, den der erste Geistesblitz ereilte. Mit einem Heber über die Abwehrreihe der Gäste setzte er Gomez ein, doch Torwart Oliver Baumann parierte stark. Es war dann wieder eine Ecke, die nach rund einer Stunde zum 2:0 führte. Diesmal zielte Pranjic auf das Haupt von Gomez, der sein viertes Tor in dieser Ligasaison erzielte. Dieses Ereignis brachte die Bayern um ihre Konzentration. Denn plötzlich flankte Anton Putsila unbedrängt aus dem Halbfeld, und der gerade eingewechselte Stefan Reisinger traf ebenso ungehindert zum 2:1. Es war das dritte Kopfballtor in dieser Partie. Die Münchner hatten Glück, dass ein Strafraum-Durcheinander in der 70. Minute nicht zum Ausgleich führte.

Kurz darauf machte sich Erleichterung breit in der Arena. Ein Distanzschuss von Timoschtschuk nach 72 Minuten brachte das 3:1 – noch so ein Torschütze, der fast die ganze van-Gaal-Zeit hindurch missachtet wurde und erst durch die Verletztenmisere in die Startelf gespült wurde. Nach ein paar vergebenen Großchancen setzte dann Kroos, auch per Fernschuss, einen drauf. Kurz vor Schluss traf der eingewechselte Edson Braafheid, noch einer von den abgemeldeten Bayernspielern – dummerweise aber ins eigene Tor. Es war die unglückliche Schlusspointe eines doch noch vergnüglichen Fußballabends.

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