Aufsteiger siegt auswärts 3:1 : Pauli - Freiburg: Norden schlägt Süden

Bundesliga-Neuling FC St. Pauli gewinnt bei überforderten Freiburgern 3:1 - nachdem das Heimteam 1:0 in Führung gegangen war.

Uwe Rogowski
Schwerer Fall. Cederick Makiadi (vorn) vom SC Freiburg hatte gegen St. Paulis Abwehr keinen leichten Stand.
Schwerer Fall. Cederick Makiadi (vorn) vom SC Freiburg hatte gegen St. Paulis Abwehr keinen leichten Stand.Foto: ddp

Ganz wie es sich für den feierfreudigen FC St. Pauli gehört, hat die Bundesligasaison nach dem Wiederaufstieg mit einer Party begonnen. „Die Jungs haben an sich geglaubt, wir haben als Mannschaft gespielt, und nun können wir mit verdienten drei Punkten die Rückreise antreten“, sagte St. Paulis Trainer Holger Stanislawski nach dem 3:1 (0:0) beim SC Freiburg mit einem verschmitzten Lächeln. Es klang so, als hätten sich die Hamburger Spieler die Erlaubnis erspielt, es im Bus ordentlich krachen zu lassen.

Verdient zumindest hätten sie es, denn der Auswärtserfolg im ersten Spiel beim Bundesligacomeback war so imponierend wie verdient. Und von einer Eindeutigkeit, dass sich die Frage stellte, wer hier eigentlich der Aufsteiger gewesen ist. Freiburgs Trainer Robin Dutt tat gut daran, die Kräfteverhältnisse auf dem Platz nicht zu verklären. „St. Pauli ist als verdienter Sieger vom Platz gegangen“, sagte der 45-Jährige, „wir waren technisch, taktisch und körperlich nicht auf der Höhe, das hat mich nicht überrascht, denn in den letzten Wochen haben uns im Training doch einige Spieler gefehlt.“ Das sind doch viele Defizite auf einmal, hinzu kamen noch fehlendes Selbstvertrauen und mangelnde Zweikampfstärke. Und ein Kompliment an die Besetzung seiner Ersatzbank war es auch nicht.

Ganz anders St. Pauli. Die eingewechselten Richard Sukuta-Pasu und Fin Bartels waren es, die in der 89. und in der ersten Minute der Nachspielzeit den Sieg mit ihren Kontertoren sicherten. Spät, aber verdient, denn Freiburg hatte zuvor zweimal Glück gehabt. Dass der Klub ohne Gegentor in die Pause kam und sich in der Folge eine glückliche Führung durch Papiss Cissé ergab. Doch danach zeigten St. Paulis Fußballer genau jenen Charakterzug, den man ihnen allgemein nachsagt: Leidenschaft. Oder wie Stanislawski später fast poetisch meinte: „Fußball muss man mit Liebe spielen.“ Freiburgs Zugang Jan Rosenthal, der mit einer durchschnittlichen Leistung einer der besseren Freiburger war, sagte: „Nach dem 1:1 war Pauli voller Euphorie und von uns nicht mehr zu stoppen.“

Am Torerfolg zeigten die Freiburger sich zunächst eher desinteressiert. Anspielstationen waren verstellt, es gab keine konstruktive Spieleröffnung und vertikale Bewegungen im Freiburger Spiel waren nicht vorhanden. So sorgten in der ersten Halbzeit lediglich die unerschrockenen Spieler der Gäste für Regung auf den Rängen.

Gleich nach sechs Minuten ergab sich für die Gäste eine Doppelchance: Rouwen Hennings und Florian Bruns vergaben aus nächster Nähe; auch Marius Ebbers schoss einen eleganten Fallrückzieher neben das Freiburger Tor. Auch bei drei Fernschüssen von Ebbers benötigte Freiburg Glück. Nach der Halbzeit kamen die Freiburger im mit 24 000 Zuschauern ausverkauften Badenova-Stadion zwar etwas in Schwung, nach einem Gastgeber, der beim Heimauftakt mit aller Macht einen direkten Konkurrenten distanzieren wollte, sah das Spiel jedoch nicht aus.

Als die Partie in der Schlussphase Fahrt aufnahm, mussten sie sich den gewitzten und schlicht besser spielenden Gästen geschlagen geben. Fabian Boll glich in der 83. Minute mit einem kraftvollen Schuss in den Torwinkel aus – und danach hatten die Hamburger so viel Spaß, dass sie die Euphorie bis zum Sieg trug.

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