Aufsteiger vorn : Moderne Zeiten in Hoffenheim

Der Aufsteiger TSG 1899 Hoffenheim befindet sich mit vielen jungen Spielern in Aufbruchstimmung.

Karsten Doneck[Cottbus]
FC Energie Cottbus - 1899 Hoffenheim11
Junges Glück. Torschütze Selim Teber (l.) jubelt mit Tobias Weis.Foto: ddp

An der Eckfahne fanden die Männer in den blauen Trikots zu einem recht eigenwilligen Tänzchen zusammen. Wilde Zuckungen schüttelten die Spieler, begleitet von kräftigem Stampfen mit den Füßen: Die TSG 1899 Hoffenheim feierte im Cottbuser Stadion der Freundschaft da schon längst nicht mehr ihre Ankunft in der Fußball-Bundesliga, sondern nach einer guten Viertelstunde bereits den ersten Treffer durch Vedad Ibisevic. Dass von den Stehplatzrängen hinter dem Tor mitten in die jubelnde Spielertraube hinein ein viertelvoller Plastikbierbecher geworfen wurde, störte das Ritual nicht im geringsten. Provozieren ließen sich die Hoffenheimer durch solche Wurfgeschosse schon mal gar nicht. Derart kühl und clever reagierte der Neuling aus dem Badischen nicht nur in dieser Szene, sondern auch im Verlauf der gesamten 90 Minuten, so dass der 3:0 (1:0)-Sieg bei Energie Cottbus auch in der Höhe hochverdient ausfiel. Hoffenheim hatte sich als die weitaus kreativere Mannschaft präsentiert.

Und als Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser nachher fast beiläufig erwähnte, „unsere Mannschaft kann das noch besser“, da klang das schon wie eine ernst zu nehmende Kampfansage, und zwar nicht an Vereine wie den VfL Bochum oder Arminia Bielefeld, sondern an die gehobene Bundesliga-Mittelklasse, an Klubs wie Hannover 96 oder den VfB Stuttgart. Ralf Rangnick, der Trainer, bemühte sich nach dem Abpfiff erst einmal darum, allen hochfliegenden Träumen ein gewisses Maß an Sachlichkeit entgegenzustellen. „Wir haben ungefähr so gespielt, wie wir das erwartet haben“, sagte er. Aber auch ihm muss die Leistung seiner Mannschaft zumindest ein klein wenig unheimlich gewesen sein. Denn er gab eher dezent den Hinweis: „Dreiviertel meiner Mannschaft besitzt noch gar keine Erstligaerfahrung.“

Mehr Robustheit nötig

Davon war in Cottbus allenfalls bis zum Führungstor etwas zu merken. Nachdem Hoffenheims Spieler um den geschmeidigen Brasilianer Eduardo und den quirligen Demba Ba begriffen hatten, dass in der Bundesliga Zweikämpfe nicht nur mit List und Eleganz gewonnen werden, sondern auch Robustheit dazugehört, erarbeiteten sie sich die entscheidenden Vorteile. Geschickte Raumaufteilung, variables Passspiel, ein mitunter beachtlicher Kombinationsfluss, cleveres taktisches Verhalten: Hoffenheim machte fortan wenig verkehrt. „Die Mannschaft ist eingespielt, wir hatten ja auch nur einen Neuzugang dabei“, sagte Rangnick. Noch fehlen der an einem Muskelfaserriss laborierende Brasilianer Wellington, Chinedu Obasi ist für Nigeria für die Olympischen Spiele abgestellt.

Störend fand Rangnick nur, dass im Vorfeld des ersten Bundesligadebüts der Hoffenheimer in den Medien noch einmal ausgiebig über den angeblich grenzenlosen Reichtum des Klubs diskutiert wurde. Der Trainer vertritt die Ansicht, hinter „dieser Neiddebatte“ werde vernachlässigt, welch großartiges Projekt die TSG Hoffenheim doch sei, „eine in Deutschland einmalige Sache“. Erfreulich ist in der Tat, dass Hoffenheim „eine blutjunge Mannschaft mit vielen hochtalentierten 18- bis 22-Jährigen“, so Schindelmeiser, aufs Feld schickt, die „zu einer Bereicherung der Bundesliga beitragen soll“, so Rangnick. Rangnick selbst hat sich der ehrgeizigen Aufgabe verschrieben, in Hoffenheim ein Konzept mit modernem Fußball zu realisieren.

Von wegen Lampenfieber

Wie dieses Konzept aussehen kann, davon gab es gegen Energie Cottbus zumindest Kostproben. Erstaunlich dabei, dass die Spieler ihr Bundesligadebüt ohne erkennbares Lampenfieber absolvierten. „Ich wüsste nicht, warum wir nervös hätten sein sollen“, sagte Rangnick. Die knapp 200 Fans aus Hoffenheim, die auf der Südtribüne des Cottbuser Stadions vor dem strömenden Regen Schutz gefunden hatten, feierten ihre Mannschaft überschwänglich. Und die Identifikation mit den Spielern ist bereits so groß, dass sich einige Fans durch das Tor zum 3:0 auch schon mal zu einem wilden Freudentänzchen animieren ließen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben