Sport : Aufstieg in die höchste Liga

Vettel in den Spuren von Schumacher und Alonso

Karin Sturm[Monza]
K.o.-Haken für die Konkurrenz. Weltmeister Sebastian Vettel ist Titel Nummer zwei kaum noch zu nehmen. Foto: dpa
K.o.-Haken für die Konkurrenz. Weltmeister Sebastian Vettel ist Titel Nummer zwei kaum noch zu nehmen. Foto: dpaFoto: dpa

Für die Besitzer des kleinen Traditionshotels Fossati, nördlich der Rennstrecke von Monza, ist Sebastian Vettel immer noch der Gleiche geblieben. Der gleiche nette, freundliche, höfliche Junge, der schon seit seinen ersten Schritten in der Formel 1 am Monza-Wochenende immer bei ihnen übernachtete, zuletzt auch der größeren Ruhe wegen öfters in seinem Wohnmobil, das er auf dem Hotelparkplatz abgestellt hatte, während seine Familie und sein Physiotherapeut Tommi einige Zimmer belegten. „Das Wohnmobil ist vielleicht im Laufe der Jahre ein bisschen größer geworden, aber er selbst hat sich überhaupt nicht verändert, er ist einfach ein Supertyp“, sagt Vittorio Fossati, der schon alle möglichen Formel-1-Größen von Jackie Stewart über Ayrton Senna und Michael Schumacher beherbergt hat. „Nur auf der Strecke, da wird er offensichtlich immer besser.“

Mit dieser Meinung steht er bei Weitem nicht alleine da. Nach seinem Titelgewinn im November ist Vettel noch einmal derart gereift, dass er nun nach einer fast fehlerfreien Saison schon beim kommenden Rennen in Singapur seinen Titel verteidigen kann. Mit dem gewagten Überholmanöver in Monza außen herum in der Curva Grande gegen Fernando Alonso, mit zwei Rädern im Gras, strafte er auch jene Kritiker Lügen, die behaupten, Vettel könne nicht überholen und gewinne nur so oft, weil er mit dem besten Auto eben immer von der Spitze weg fahren könnte. Dass Vettel in Monza so durchzog, obwohl es gar nicht unbedingt nötig gewesen wäre, zeigte deutlich sein Selbstvertrauen. „Allein durch den knappen Gewinn des WM-Titels im letzten Jahr hat er viel zusätzliches Selbstvertrauen, Sicherheit und auch eine neue Lockerheit bekommen“, sagt der dreifache Weltmeister Niki Lauda. „Und wenn man dann mit diesem Vertrauen und dieser Sicherheit an seine neuen Aufgaben herangeht, dann gelingt auch alles immer besser.“

Das sieht auch Flavio Briatore so. Der wegen der Unfallaffäre von Singapur in Ungnade gefallene Italiener war in Monza wieder einmal zu Gast und vergleicht Vettel sogar schon mit den ganz Großen der Branche. Bei aller Schlitzohrigkeit ist er als früherer Teamchef von Michael Schumacher und dann auch von Fernando Alonso zumindest bei der Beurteilung eines Fahrers ein guter Kronzeuge. Und so zählt Briatore die größte Parallele zu Vettel und den beiden Legenden auf: Alle hätten nach ihrem jeweils ersten Titelgewinn in ihrer Entwicklung noch einmal einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Briatore: „Und ich bin überzeugt, dass Vettel jetzt zusammen mit seinem Team Red Bull auch noch über Jahre hinaus die Spitze bilden wird.“

Denn das ist der große Unterschied: Während Schumacher (zu Ferrari) und Alonso (zu McLaren) vor ihrem zweiten Titelgewinn neue Herausforderungen suchten, das Team wechselten und erst einmal keine weiteren Titel errangen, will Vettel Red Bull auf jeden Fall bis Ende 2014 treu bleiben. Zwar meinte er in Monza mit einem Grinsen, es gebe nur eine Sache, die einen Triumph dort noch schöner machen könnte: „Dabei einen roten Anzug zu tragen“ – einen von Ferrari also. Doch zum einen steht Alonso noch bis 2016 bei Vettels Traumteam Ferrari unter Vertrag. Zum anderen sieht sich der Deutsche seinem derzeitigen Team gegenüber in der Pflicht: „Ich schulde Red Bull eine Menge. Ohne sie wäre ich nicht hier. Sie gaben mir die Chance, als ich noch ein kleines Kind war, zwölf Jahre alt.“

Es sieht also danach aus, als ob Vettel noch den einen oder anderen Sieg für Red Bull erringen wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben