Sport : Aufstieg in die Komfortzone

Bochum hat sich ins Mittelfeld der Liga manövriert

Richard Leipold[Bochum]

Natürlich ließe sich behaupten, der VfL Bochum bewege sich im Niemandsland der Bundesliga, dort wo eine vermeintlich graue Maus hingehört. Doch die Bochumer fühlen sich auf Platz zwölf gut aufgehoben, weil er auch den Abstand zu jenen Plätzen markiert, die den Weg in die Zweite Liga weisen. Aus derart sicherer Entfernung schauen die Bochumer in aller Regel nicht nach unten. Ob in der Tabelle oder auf dem Rasen – das Mittelfeld ist derzeit die Komfortzone des VfL.

Beim überraschenden 2:0-Sieg am Sonntag über Bayer Leverkusen entschieden die Westfalen das Spiel in jenem Mannschaftsteil für sich, aus dem sonst das Leverkusener Fußballwerk seine Brillanz bezieht. Die Bochumer traten dem offensiven Leverkusener Trio Barbarez, Barnetta und Schneider aggressiv und taktisch wohlgeordnet entgegen. Zwei kleinere Chancen – mehr ließ der VfL nicht zu. „Das kommt gegen uns nicht oft vor“, staunte Bayers Sportdirektor Rudi Völler.

Als die Sicherheitsfrage geklärt war, erfüllten die Bochumer auch den anderen Teil des Konzepts, das ihr Trainer Marcel Koller diesmal ausgetüftelt hatte. Es schrieb vor, „dass die Defensivspieler so offensiv spielen wie nie zuvor“. Und das taten sie: Thomas Zdebel und Christoph Drabowski, zwei klassische Sechser, schossen die Tore. Daneben zeichnete den Außenseiter eine ungewöhnliche Konstanz aus. Die Bochumer kickten fast 90 Minuten lang auf einem Level. „Wir haben es zum ersten Mal geschafft, nach dem Führungstor kompakt weiterzuspielen“, sagte Daniel Imhof.

Nach dem unverhofften Sieg über Leverkusen mussten die Bochumer sich fragen lassen, wo sie eigentlich hingehören, wenn sie das Mittelfeld weiter so clever beackern. Sie wissen es selbst noch nicht genau. Koller warnt davor, sich in dieser Standortfrage Illusionen hinzugeben. „Mit 29 Punkten ist noch keine Mannschaft in der Liga geblieben. Wir dürfen nicht in Schwärmerei verfallen oder gar vom Uefa-Cup sprechen.“ Erst einmal gehe es darum, die 45 Punkte zu erreichen, die von Anfang an als Ziel formuliert waren.

Wer wie Koller mit ruhiger Hand und viel Kalkül ein Fundament geschaffen hat, muss aber den Anspruch verfolgen, weitere Fortschritte zu erzielen, so etwa bei der Entwicklung eines neuen Bochumer Selbstbewusstseins. Über die drei Punkte hinaus sei „der Sieg über Leverkusen wichtig für den Kopf gewesen“, weil es ein Gegner gewesen sei, der sich um einen Platz in der Champions League bewerbe. Deshalb einen Paradigmenwechsel zu erwarten wäre zu viel, aber ein Perspektivwechsel darf es sein. „Mit einem Auge sollten wir nach unten blicken“, sagt Verteidiger Marc Pfertzel, „das andere kann nach oben schauen.“

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