Sport : Aufstieg ins Bergtrikot

Richard Virenque gewinnt erste schwere Etappe – Streit beim Team T-Mobile

Sebastian Moll[Saint-Flour]

Es war einer dieser Auftritte, wie sie Richard Virenque liebt. 34 Jahre ist der französische Radprofi inzwischen alt, von seinem jugendlichen Charme hat er trotzdem kaum etwas eingebüßt – wenige freuen sich über Siege so eigenwillig wie er. Gestern zeigte Virenque nach sechs Stunden Fahrt im Ziel mit den Zeigefingern Richtung Himmel. Und auch die Freude der französischen Fans war groß, als ihr Publikumsliebling den Sieg bei der ersten Bergetappe dieser Tour de France von Limoges nach Saint-Flour bejubelte. Schon nach 25 Kilometern hatte sich Virenque vom Feld abgesetzt – zusammen mit dem Belgier Axel Merckx, der aber am Anstieg zum Pas de Peyrol, mit 1600 Metern höchsten Punkt der Etappe, nicht mehr mithalten konnte.

Am Ende der Etappe konnte sich Virenque nicht nur über den Tagessieg freuen, sondern durfte auch das rot gepunktete Trikot des besten Bergfahrers überziehen – für ihn eine gewohnte Prozedur. Das Bergtrikot hat er schon sechsmal bei der Tour gewonnen – auch 2003. Auf die Spitze im Gesamtklassement hatte Virenques Sieg nur geringe Auswirkung: Virenque ist nun Vierter, der Franzose Thomas Voeckler rettete sein Gelbes Trikot mit dem Hauptfeld über die Berge. Mit Voeckler kamen auch der fünffache Toursieger Lance Armstrong und sein Widersacher Jan Ullrich fünf Minuten und 19 Sekunden nach Virenque ins Ziel, Andreas Klöden (T-Mobile) gewann den Sprint des Feldes vor Erik Zabel und wurde Etappenzweiter.

Eigentlich hätte das Team T-Mobile also zufrieden sein können. Doch die Stimmung am Mannschaftsbus, der in einer engen Gasse des mittelalterlichen Städtchens Saint-Flour parkte, war schlecht. Klöden gab selbstbewusst ein Interview, während fünf Meter weiter Zabel im durchgeschwitzten Unterhemd heftig mit der Mannschaftsführung debattierte. Offensichtlich hatte es ihm nicht gefallen, dass der eigene Mannschaftskamerad ihm zwei Punkte im Kampf um das Grüne Trikot abgenommen hatte, in dessen Wertung er nun auf Rang zwei liegt. Die beiden Adressaten seines Zorns, der Sportliche Leiter Mario Kummer und Teamchef Walter Godefroot, wollten sich zum Inhalt des erhitzten Gespräches nicht im Detail äußern, Zabel blieb bis zur Abfahrt im klimatisierten Bus sitzen. Godefroot ließ immerhin durchblicken, dass es wohl ein Missverständnis zwischen beiden Fahrern gegeben habe, dass es zu klären gelte. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Klöden, einer der engsten Vertrauten von Ullrich, Zabel gegenüber etwas klar stellen wollte. Ob auf Anweisung oder nicht – Zabel sollte spüren, dass es bei T-Mobile in diesem Jahr einzig und alleine um den Sieg von Ullrich geht. Godefroot selbst hatte bereits am Wochenende klargestellt, dass die Mannschaft aus einem Kapitän und acht Helfern bestehe. Die Botschaft ist nach der gestrigen Etappe wohl bei Zabel angekommen.

Lange nach Zabel und Klöden kam gestern Matthias Kessler ins Ziel, der in der Anfahrt vom Puy Mary in einer Kurve gestürzt war. Es war bereits der fünfte Sturz des Franken bei dieser Tour und diesmal sah es bös aus: Er prallte mit der Seite gegen einen Holzpfahl am Straßenrand. Er rettete sich unter Schmerzen bis nach Saint-Flour, wo ihn Mannschaftsarzt Lothar Heinrich in Empfang nahm und sofort in das örtliche Krankenhaus brachte.

Heute im Fernsehen:

Die 11. Etappe, St. Flour – Figeac, live.

SENDEBEGINN 13 Uhr (ARD)

14 Uhr (Eurosport)

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