Sport : Aufstieg oder Pleite

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Es geht doch. Die Dritte Liga geht ab diesen Freitag in ihre vierte Saison, und seit ihrer Einführung ist Rot-Weiß Erfurt dabei, ist immer unter den ersten Zehn gelandet und hat die Lizenz für jede Saison ohne große Probleme bekommen. Damit ist der Klub allerdings eine Ausnahme. Seit ihrer Einführung gilt die Spielklasse als die Liga, der man entweder durch den Aufstieg entkommt oder indem man pleitegeht.

So war es bei Dynamo Dresden in diesem Sommer. Für den Klub waren die Relegationsspiele auch Entscheidungsspiele um die Existenz, nur durch den Aufstieg in die Zweite Liga und der dort wesentlich höheren Fernsehgelder entging Dynamo der Insolvenz.

Die Leier ist immer diesselbe, aber sie ist deshalb nicht falsch: Die Einnahmen seien zu gering, um dauerhaft zu überleben, heißt es bei vielen Klubs. Dieses verbreitete Denken führt zu einer Spirale des Risikos – Motto: Investierst du viel, investiere ich noch ein bisschen mehr. In der vergangenen Saison endete das für Rot Weiss Ahlen und die TuS Koblenz in der Pleite, es gab in Bayern München II nur einen sportlichen Absteiger. Wacker Burghausen ist in dieser Saison zum zweiten Mal nur deshalb dabei, weil andere kein Geld mehr hatten. Andere Klubs wie Babelsberg, Unterhaching, Jena oder Regensburg mussten bis zur letzten Minute kämpfen, um die Lizenz zu erhalten.

Das liegt zum Teil an den hohen Anforderungen des Deutschen Fußball-Bundes an die Infrastruktur der Spielklasse, die der Verband trotz aller Pleiten und Klagen der Klubs seit Liga-Gründung nach wie vor für einen Erfolg hält. Vor allem aber liegt es an der Logik der Riskospirale. Niemand weiß, wo sie ihren Anfang nimmt, aber fast alle außer den Erfurtern haben das starke Gefühl, unausweichlich drinzustecken.

Im Grunde ist das in jeder Liga so, in der Dritten Liga kann man aber beispielhaft das Handeln verantwortlicher Akteure im Fußballgeschäft beobachten. Auch die Konsequenzen sind hier unmittelbar zu sehen. So eignet sich die Liga optimal als Untersuchungsgegenstand für Arbeiten über das Fußballbusiness. In der Praxis geht es für die Klubs jetzt aber wieder einmal ums Überleben.

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