Sport : Aufstieg und Abschied

Köln trifft im Spitzenspiel der Zweiten Liga auf Fürth – und muss wohl einen neuen Trainer suchen

André Görke

Berlin - Die Meldungen der vergangenen Tage sorgten im Kölner Stadtteil Müngersdorf für ein wenig Stress in den Vereinsbüros des 1. FC Köln. Erst ließ Bayerns Manager Uli Hoeneß mitteilen, dass die Münchner den Kölner Stürmer Lukas Podolski ab 2007 unter Vertrag nehmen wollen, dann verkündete Lothar Matthäus , dass es „sehr reizvoll“ wäre, den Klub zu trainieren. „Wahnsinn“ nennt das Huub Stevens nur, der aktuelle Trainer des Zweitligisten, „das ist alles Wahnsinn!“

Es gehört eben zum Selbstverständnis der Stadt, dass der Aufenthalt ihres Klubs in der Zweiten Liga nur ein Missverständnis sein kann. Bayern München, Lothar Matthäus, Erste Liga – in diesen Kategorien denkt und redet der Kölner. Zum Spitzenspiel heute Abend gegen den Tabellenvierten aus Fürth (20.15 Uhr, live im DSF) werden 40 000 Zuschauer erwartet. Wenn der 1. FC Köln gewinnt und die Fürther mit acht Punkten Vorsprung auf Distanz halten würde, wäre die Rückkehr in die Bundesliga quasi perfekt.

Leider sind nicht alle Dinge so eindeutig geregelt in Müngersdorf. Denn wenn man so glaubt, was man hört, könnte Stevens nach Abpfiff seinen Abschied bekannt geben. Der Trainer will sich dazu „nicht mehr äußern“, auch wenn der Niederländer einräumt, dass sein Berater eine Anfrage von Roda Kerkrade erhalten habe. Den Klub hatte Stevens in den Neunzigern trainiert, bevor er schließlich zum FC Schalke 04 wechselte. Stevens fährt seit Monaten häufig in die Heimat, bei Eindhoven hat die Familie ein Haus, in dem seine Frau wohnt. Es sind private Sorgen, die ihn zu diesen Reisen veranlassen. Seine Frau ist krank. Und deshalb verspürt Stevens an manchen Tagen nur sehr wenig Lust, sein Haus zu verlassen, um anschließend drei Stunden auf der Autobahn im Stau zu stehen. Ein Arbeitsplatz in Holland würde die Situation erträglicher machen.

Auch deshalb hat bislang niemand aus den Führungsgremien eine klare Aussage gefordert, ob Stevens bleiben wolle. Sein Vertrag würde sich nämlich im Aufstiegsfall automatisch bis 2006 verlängern. Der FC jedenfalls beobachtet den Markt. Und was da jüngst aus der Türkei zu hören war, sollte man ernst nehmen. Verschiedene Gremien wollen Christoph Daum zurückholen, mit dem sie in Köln einst so erfolgreich waren. Allerdings soll er nicht sehr preiswert zu haben sein, weil er einen großen Mitarbeiterstab mitbringen würde. Klarheit herrscht nur in einer Angelegenheit: So mancher droht damit, seine Dauerkarte zurückzugeben, wenn Matthäus in Köln unterschreibt.

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