Sport : Aufstieg zur Potsdamer Heldin

Helen Ruwald

Berlin - Am Sonntagmorgen um 4 Uhr verließ Isabel Kerschowski als letzte Spielerin das „Nachtleben“ in Potsdam. Sie hatte sich in dem Club im Gegensatz zu ihren Mannschaftskameradinnen keine Siegerzigarre angezündet, und trotz Sekt und Bier hatte sie „keinen Kater“. Dafür hat die 18-Jährige ihre erste große Siegesfeier ein bisschen länger ausgekostet als die anderen. In der 77. Minute hatte Turbines Trainer Bernd Schröder sie im DFB-Pokal-Finale gegen den 1. FFC Frankfurt aufs Feld geschickt. 80 Sekunden später knallte sie den Ball mit dem schwächeren linken Fuß zum 1:0 ins Tor. Trotz eines weiteren Treffers von Petra Wimbersky war sie die Matchwinnerin.

Die Stürmerin war die ganze Woche nicht zu stoppen gewesen: Beim EM-Qualifikationsturnier der U-19-Nationalmannschaft in Slowenien hatte sie in zwei Spielen sechs Tore geschossen. Am Freitag ließ Turbine sie zum Pokalfinale einfliegen – und sie traf gleich wieder. „Das ist unbeschreiblich“, sagte sie fassungslos. In den vergangenen beiden Jahren kickte sie noch bei Potsdams Pokalsiegen mit dem Verbandsligisten BSC Marzahn bei einem Kleinfeldturnier.

Bernd Schröder ist keiner, der großzügig mit Superlativen umgeht. Doch über Isabel Kerschowski sagt er, dass sie „alle Voraussetzungen hat, um eine ganz Große zu werden. Sie ist schnell, athletisch, bescheiden und kein Sensibelchen.“ Schnelligkeit hat ihr schon den deutschen Meistertitel beschert, in der Leichtathletik, bei den Unter-10-Jährigen. Erst im Sommer 2005 wechselte sie mit ihrer Zwillingsschwester Monique nach Potsdam. Sie wohnt im Sportinternat, macht eine Tischlerlehre – und hat problemlos den Sprung ins Bundesligateam geschafft. Während ihre Schwester in Turbines Zweitligateam spielt, lief Isabel Kerschowski 15 Mal in der Bundesliga auf – und das, obwohl der Sturm mit den Nationalspielerinnen Conny Pohlers, Anja Mittag und Petra Wimbersky erstklassig besetzt ist. Kerschowski stand zwar kein einziges Mal 90 Minuten auf dem Feld, schoss aber sechs Tore.

Dass eine 18-Jährige im Pokalfinale trifft, passt zu Turbines Philosophie. „Isabel steht für den Unterschied“, sagt Schröder. „Wo andere gestandene Spielerinnen holen, setzen wir auf den Nachwuchs. In den kommenden Jahren werden wir drei, vier Talente ihrer Klasse präsentieren.“ Frankfurt hingegen setzt auf erfahrene Fußballerinnen und holt zur kommenden Saison die 34 Jahre alte Nationaltorhüterin Silke Rottenberg.

Isabel Kerschowski war immer besser als Gleichaltrige. Während Monique in der U-17-Nationalelf spielte, gehörte Isabel schon zur U 19. Im Juli will sie U-19-Europameisterin werden und hofft auf einen Einsatz bei der U-20-WM im August. Zuvor sind noch ihre Jokerqualitäten gefragt: zum Beispiel in Turbines Uefa-Cup-Finale gegen Frankfurt.

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