Sport : Aufstiegskampf

Energie Cottbus plant schon für die Fußball-Bundesliga

Frank Noack

Cottbus. Eduard Geyer hatte sich die Sache noch einmal gründlich überlegt. Genauer gesagt: Er war über Nacht wieder ganz der Alte geworden. Einen Tag nach dem 3:1-Erfolg im Spitzenspiel gegen RW Oberhausen befreite sich der 59-jährige Trainer des FC Energie Cottbus schon wieder von seinem leicht euphorischen Anflug. „Abgerechnet wird zum Schluss“, knurrte Geyer gestern. 40 Punkte gelten gemeinhin als ausreichend, um den Klassenerhalt zu sichern, 41 Punkte haben die Cottbuser nun. Nach dieser Rechnung also machte der FC Energie erst am 23. Zweitliga-Spieltag den Klassenerhalt perfekt. Ganz nebenbei bemerkt: Energie Cottbus ist auch Tabellenführer – aber das sei, so Geyer, wie ein Langstreckenlauf über 10 000 Meter. „Wer nach 6000 Metern vorn ist und dann keine Kraft mehr hat, der kann ganz schnell bis ans Ende durchgereicht werden.“

Unmittelbar nach dem Sieg gegen Oberhausen hatte der Trainer noch mit einer öffentlichen Kampfansage an die Konkurrenz aufhorchen lassen. „Jetzt ist der Aufstiegskampf endgültig eröffnet“, verkündete er beim flüchtigen Blick auf die Tabelle und die Spitzenposition seiner Mannschaft. Gewöhnlich dämpft Eduard Geyer lieber die hohen Erwartungen. Diesbezüglich hat er derzeit Arbeit genug in der Lausitz. Denn genau wie in der Saison 1999/2000 ist der Aufstieg erneut in greifbare Nähe gerückt.

Präsident Dieter Krein und Manager Klaus Stabach basteln längst am zweiten Wunder von Cottbus. In den Lizenzierungsunterlagen, die bis zum 15. März bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingereicht werden müssen, planen sie mit einem Etat von 20 Millionen Euro für die erste Liga. Mit diesem Geld sollen – anders als im Jahr 2000 – vor allem junge Spieler geholt werden. „Leute, die zehn Jahre Erstliga-Erfahrung haben, sind zwar routiniert, können aber keinen großen Schub mehr geben“, glaubt Stabach. „Deutlich wurde das in dem Jahr, in dem wir abgestiegen sind. Spieler wie Juskowiak oder Rink waren Auslaufmodelle, die keine Führungsrolle mehr übernehmen konnten oder wollten, dafür aber eine Menge Geld gekostet haben.“

Die aktuelle Mannschaft ist ein Spiegelbild der neuen Personalpolitik. Leistungsträger wie Rost, Löw oder Silva sind nicht älter als 25. In der zweiten Reihe lauern mit Schöckel, Bandrowski und Iordache weitere Talente. Zudem hatten die Verantwortlichen bei den wenigen Neuverpflichtungen ein gutes Händchen. Torhüter Georg Koch oder Abwehrmann Ronny Nikol eroberten sich auf Anhieb Stammplätze.

Wie gut die Stimmung derzeit ist, lässt sich an Kleinigkeiten ablesen. Torwart Georg Koch versprach, dass ihm Zsolt Löw eine Glatze schneiden dürfe, wenn der kleine Ungar endlich sein erstes Tor für Energie erzielen würde. Löw traf prompt gegen Oberhausen. Eduard Geyer war von der Wette nicht so begeistert. Der Trainer knurrte: „Mir wäre lieber gewesen, sie hätten ein gemeinsames Abendessen als Wetteinsatz vereinbart – Kalorien reduziert, natürlich.“ Damit eben der 10 000-Meter-Lauf siegreich beendet wird.

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