Auftakt in Ruhpolding : Auf Spannung gemixt

Die Biathlon-WM startet am Donnerstag mit der Mixed-Staffel. Dass der Wettbewerb einmal so populär und umkämpft werden würde, war lange nicht abzusehen.

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Jetzt geht's los. Für die kommenden zehn Tage gehören die Loipen rund um Ruhpolding Magdalena Neuner und den anderen Größen der Biathlon-Welt.
Jetzt geht's los. Für die kommenden zehn Tage gehören die Loipen rund um Ruhpolding Magdalena Neuner und den anderen Größen der...Foto: AFP

Er muss es wissen, er tritt ja auch an. Arnd Peiffer hat sein Urteil über das Auftakt-Event bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Ruhpolding am heutigen Donnerstag (15.30 Uhr, live bei ZDF und Eurosport) schon gefällt. Der gemischten Staffel attestiert der deutsche Schlussläufer und Sprint-Weltmeister von 2011 „großes Potenzial“. Sogar zur Königsdisziplin der WM könne sie werden. Glaubt Peiffer. Dass es die Mixed-Staffel mal soweit bringen würde, daran war von ein paar Jahren noch nicht zu denken.

Lange ist es nicht her, dass der Wettbewerb regelrecht missbilligt wurde. Ernst nahmen ihn die meisten überhaupt nicht, dafür belächelten sie ihn umso mehr. Eine gemischte Biathlon-Staffel? Was sollte das nun wieder? Die regulären Männer- und Frauenstaffeln gab es schon. Und nun sollten pro Nation darüber hinaus noch je zwei Frauen und zwei Männer um einen weiteren Staffelsieg wetteifern. Weitere 7,5 Kilometer mal vier Läufer. Das kam – gelinde gesagt – mäßig an. Sportler und Trainer kritisierten, dass ein zusätzlicher sechster Wettkampf die Leistungsfähigkeit der Topleute einschränke und sie überfordere. Der Biathlon-Weltverband und das Fernsehen hatten eine andere Meinung. Der Kampf der Geschlechter versprach noch ein wenig mehr Spannung und Aufmerksamkeit.

2005 war es, als im Rahmen des Weltcup-Finals in Chanty-Mansijsk erstmals Weltmeister im sogenannten Mixed ermittelt wurden. Zwei Jahre später ist die Staffel ins offizielle WM-Programm berufen worden. Trotzdem starteten auch Jahre später nur Reservisten in dieser Disziplin. Vor vier Jahren, bei der WM in Östersund, zum Beispiel. Da wurden die deutschen Starter Andreas Birnbacher und Sabrina Buchholz vom schwedischen Biathleten Björn Ferry verhöhnt. Ferry lächelte damals nur ironisch, als er die deutsche Startformation sah: „Buchholz und Birnbacher, ojojo.“ Dem Gegner Ferry aber war es nicht unrecht: „Für uns ist diese Aufstellung sicher gut.“

Tags darauf war er sich da nicht mehr so sicher. Mit Buchholz, dem damals noch eher mäßig erfolgreichen Birnbacher und Michael Greis hatte die gemischte deutsche Staffel Gold gewonnen – und mit Magdalena Neuner, die in Östersund seinerzeit noch um ihre Form kämpfte und vor dem Startschuss sehr sanft und indirekt protestiert hatte: „Doch, doch, das Rennen ist wichtig für uns.“ Nach tiefer Überzeugung klang das nicht – damals. Und heute?

Im Frühjahr 2012 ist die jüngste Biathlon-Disziplin attraktiver denn je. Auch wegen der zunehmenden Popularität ist die Mixed-Staffel als Start-Wettkampf auserkoren worden. Prominenter geht es kaum. Vor den nächsten Rennen, den Sprints der Männer und Frauen, liegt zudem ein Ruhetag. Alle Top-Athleten können also ohne Bedenken starten. „Das wird spannend. In dem Rennen kann alles passieren, denn da treten alle mit ihren besten Leuten an“, sagt Wolfgang Pichler, der Trainer der russischen Frauenmannschaft (siehe Interview). Pichlers Satz gilt auch für die Deutschen: Mit Andrea Henkel, Magdalena Neuner, Andreas Birnbacher und Schlussläufer Arnd Peiffer schicken auch die WM-Zweiten von 2011 in Ruhpolding das beste Quartett auf die Strecke, das sie zu bieten haben.

Der Aufstieg der gemischten Staffel hat damit zu tun, dass die Disziplin aufgewertet wurde und bald auch im größeren Rahmen zu sehen ist. Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi wird das Rennen, das mittlerweile über 2 mal 6 Kilometer der Frauen und 2 mal 7,5 Kilometer der Männer geht, erstmals olympisch sein. Bei der WM in Ruhpolding wird vom Weltverband für den Sieger der Staffel insgesamt ein Preisgeld von 20 000 Euro ausgeschüttet.

Doch das dürfte wohl kaum der größte Anreiz für die Athleten sein. Zum Auftakt möchte sich bloß keiner blamieren, es geht vielmehr darum, gleich zu zeigen, was man kann. „Wir gehen voll auf Angriff“, sagt Andrea Henkel. Etwas anderes wird ihr und den Kollegen kaum übrig bleiben. Denn der Wettkampf ist auch deshalb spannend, weil beinahe zehn Teams um Gold kämpfen und die favorisierten Deutschen herausfordern. Arnd Peiffer erwartet nicht ohne Grund am Donnerstag „den wohl am härtesten umkämpften Wettbewerb der WM“.

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