Auftakt mach Maß : Duisburg jagt Bayern

Der Aufsteiger MSV Duisburg gewinnt 3:1 bei Borussia Dortmund und stürmt auf den zweiten Tabellenplatz.

Felix Meininghaus[Dortm]
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Duisburgs Neuling Ishiaku begeisterte mit zwei Toren. -Foto: dpa

DortmundGanz Fußball-Deutschland schwärmt von Luca Toni, Franck Ribéry, Miroslav Klose und all den anderen neuen Bayern. Aber auch woanders in der Republik glauben sie, richtig gute Fußballer eingekauft zu haben. Zum Beispiel in Dortmund, wo sie sich nach der Vorbereitung wahre Wunderdinge über die Herren Mladen Petric und Jakub Blaszczykowski zugeraunt haben. Gestern Abend konnten sich 75 700 Zuschauer im ausverkauften Dortmunder Stadion bei der Partie gegen den Aufsteiger MSV Duisburg davon überzeugen, wie groß die Künste des in der Schweiz aufgewachsenen Kroaten und des Polen sind, wenn sie im Ernstfall gefordert sind. Reichlich wenig, so der erste Eindruck nach einer in dieser Höhe sensationellen 1:3 (0:1)-Niederlage. Duisburg stürmte damit auf den zweiten Tabellenplatz – nur mit einem Gegentor Unterschied zum großen FC Bayern.

Dortmunds Trainer Thomas Doll sprach nach dem Spiel von einem Start, „der völlig in die Hose gegangen ist. Ich hatte das Gefühl, das sei ein Vorbereitungsspiel. So, wie wir heute aufgetreten sind, gewinnst du kein Bundesligaspiel.“ Dagegen hatte Dolls Kollege Rudi Bommer einen rundum gelungenen Auftritt seines Teams gesehen: „Wir wollten frech nach vorne spielen und auf unsere Chance warten, und das hat hervorragend funktioniert.“

Von Beginn an agierte der Aufsteiger mit Entschlossenheit – und plötzlich rückte ein Bundesliga-Neuling in den Fokus, den kaum ein Experte auf der Rechnung hatte: Mannaseh Ishiaku. Der vom FC Brügge gekommene Ghanaer köpfte bei seinem Ligaeinsatz für den MSV Duisburg den Außenseiter in der achten Minute in Führung und erzielte später auch noch den dritten Treffer. Sein erstes Tor gelang dem Stürmer mit Starpotenzial nach einem Freistoß von Ivica Grlic. Ishiaku setzte er sich gegen Dortmunds Innenverteidiger Christian Wörns und Robert Kovac mit spielerischer Leichtigkeit durch und garnierte seinen tollen Treffer mit einer ebenso gelungenen Bodenturn-Einlage.

Das Tor zeigte Wirkung, die Gastgeber fanden gegen gut aufgestellte Duisburger kein wirksames Mittel mehr. Die größte Gefahr ging noch von den von Petric getretenen Freistößen aus, doch der erste Versuch landete an der Latte, beim zweiten hatte MSV-Torhüter Tom Starke die Fäuste am Ball. Dagegen verzettelte sich der hochgelobte Blaszczykowski auf der rechten Seite immer wieder in nutzlosen Dribblings. Überhaupt war vom schnellen Spiel in die Spitze, das Doll immer wieder propagiert, wenig zu sehen. Wie das funktioniert, zeigten die Schützlinge von Rudi Bommer in eindrucksvoller Manier. In der zweiten Halbzeit wurden die Favoriten aus Dortmund dann von ihren Gästen gedemütigt. Auch weil die Duisburger zeigen konnten, dass weithin unbekannte Neuzugänge wie Mannaseh Ishiaku durchaus zu wertvollen Stars avancieren können. Der Elfmetertreffer von Mihai Tararache nach gut einer Stunde und das zweite Tor von Ishiaku kurz darauf, der einen herrlichen Konter mit Vehemenz abschloss, verletzten die indisponierten Dortmunder empfindlich. „Mir fehlen die Worte“, stammelte der sichtlich geschockte Nationalspieler Sebastian Kehl nach dem Abpfiff, „dieser Auftritt ist durch nichts zu begründen. Wir haben die Duisburger zu Kontern eingeladen, und haben es natürlich dankend angenommen.“

Bei den Dortmundern herrschte nach dem desolaten Auftritt die Angst vor, den Auftakt dieser Saison vollends zu verpatzen. „Jetzt kommt mit dem Derby auf Schalke ein ganz schweres Spiel auf uns zu“, sagte Kehl. Doll will seine Mannschaft „in dieser Woche neu aufstellen“. Etwas anderes wird ihm gar nicht übrig bleiben. An der depressiven Grundstimmung änderte auch das späte Tor des kurz zuvor eingewechselten Florian Kringe nichts mehr.

Während die Fans in schwarz-gelb das Stadion fluchtartig verließen, herrschte auf der für Gäste reservierten Nordtribüne Festtagsstimmung. Die Duisburger, die in Dortmund seit 1972 nicht mehr als Sieger vom Feld gegangen waren, feierten einen Prestigeerfolg, der in den Klubannalen eingehen dürfte. Das vollkommene Duisburger Glück wurde allein dadurch verhindert, dass der MSV nun nicht gemeinsam mit den Bayern als Tabellenführer geführt wird. Aber das dürfte der Aufsteiger nach dem furiosen Auftritt im kleinen Revierderby verschmerzen.

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