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Auftaktsieg gegen Ungarn bei Handball-WM : Der Abend des Uwe Gensheimer

Nach guter erster Halbzeit hat die deutsche Mannschaft gegen Ungarn nach der Pause zu kämpfen, holt letztlich aber den ersten Sieg - auch dank Kapitän Uwe Gensheimer.

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Julius Kühn im Steigflug. Das Auftaktspiel gegen Ungarn entwickelte sich zu einer spannenden Partie.
Julius Kühn im Steigflug. Das Auftaktspiel gegen Ungarn entwickelte sich zu einer spannenden Partie.Foto: AFP

Die Liste der Gratulanten nahm gar kein Ende. Nach der Schlusssirene marschierte Uwe Gensheimer zunächst an allen Teamkollegen vorbei und holte sich ein paar warme Worte und Gesten ab, anschließend ließ sich der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft auch noch ausgiebig von den Ungarn herzen. Beim Betrachten dieser Szenen musste man kein sonderlich guter Menschenkenner sein, um zu registrieren: Das waren mehr als turnusmäßige Sympathiebekundungen für den Mann, der vom Weltverband IHF gerade zum besten Spieler des Abends gewählt worden war. Selbst vom unterlegenen Gegner.

Im Auftaktspiel der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Frankreich war Gensheimer die große Geschichte. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters und einer Auszeit bei der Familie in Mannheim war der 30-Jährige erst am Donnerstag wieder zur Mannschaft gestoßen, keine 24 Stunden später zeigte er eine herausragende Leistung und steuerte 13 Treffer (darunter acht Siebenmeter) zum 27:23 (16:11)-Auftaktsieg der Deutschen gegen Ungarn bei. „Was Uwe heute geleistet hat, verdient allergrößten Respekt“, sagte Torhüter Silvio Heinevetter, der andere überragende Mann im deutschen Team. „So eine Ruhe, so eine Souveränität nach solch einem Schicksalsschlag – das ist schon Wahnsinn.“ Gensheimer selbst war offensichtlich überwältigt von seinen Emotionen und nahm sich beim Gang durch die Mixed Zone das gute Recht heraus, ausnahmsweise mal nichts zu sagen.

Durch den ersten Turniersieg hat sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) eine gute Ausgangsposition für die kommenden vier Gruppenspiele gegen Chile, Weißrussland, Saudi-Arabien und Kroatien erarbeitet, zumal die Ungarn neben den Kroaten als größter Konkurrent um den Sieg in der Vorrundengruppe C gelten. „Wir waren über 60 Minuten die bessere Mannschaft, sind nie in Rückstand geraten und haben am Ende verdient gewonnen“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Hundertprozentig zufrieden konnte der Isländer allerdings nicht sein, weil sein Team eine vermeintlich sichere Sieben-Tore-Führung (16:9) zwischenzeitlich beinahe verspielt hätte und noch einmal in Bedrängnis geriet.„Wir haben zwei Punkte gesammelt, das war wichtig. Morgen fragt keiner mehr nach dem Wie“, sagte Heinevetter.

Torwart Silvio Heinevetter zeigte mit 14 Paraden eine überragende Leistung

Der Torhüter der Füchse Berlin erhielt durchaus überraschend den Vorzug vor Andreas Wolff und machte mit seinen ersten Aktionen direkt klar, welchen Verlauf das Match nehmen würde. Schlussendlich kam er auf 14 Paraden und eine Quote von knapp 40 Prozent gehaltener Bälle.

In der Offensive lief es zu Beginn nicht ganz so gut für die Deutschen, irgendwie wirkten alle Bemühungen ein wenig statisch. Trotzdem konnte sich die DHB-Auswahl alsbald ein kleines Polster erspielen, nach einer Viertelstunde betrug ihr Vorsprung nach einem verwandelten Siebenmeter von eben Gensheimer erstmalig drei Tore (8:5). Als den Ungarn in Laszlo Nagy auch noch ihr bester Rückraumschütze verletzt abhanden kam, deutete sich eine extrem einseitige Begegnung an. „Das hat ihren Gameplan durcheinander gebracht, und das haben wir ausgenutzt“, sagte Sigurdsson. Mit einem Zwischenspurt auf 16:9 sorgte seine Mannschaft für klare Verhältnisse, allerdings gestattete sie den Ungarn kurz vor der Pause (16:11) noch zwei einfache Treffer, die ihnen Hoffnung einhauchten.

Nach dem Seitenwechsel machten es die Deutschen noch einmal spannend, weil sie in der Abwehr ein wenig zu aggressiv agierten oder oft den entscheidenden Schritt zu spät kamen, was wiederum zu Zeitstrafen und Unterzahl-Situationen führte. „Da erwarte ich in den nächsten Spielen mehr Konzentration“, sagte Sigurdsson. Zwischen der 29. und 38. Minute gelang dem DHB-Team kein einziger Treffer, und plötzlich waren die Ungarn wieder in Schlagdistanz (16:15). Der Bundestrainer griff zwangsläufig zur Auszeit, um wieder Ruhe und System ins Spiel seiner Mannschaft zu bringen. Vor allem im Angriff fiel ihr nichts mehr gegen die modifizierte Abwehr des Gegners ein, weil abgesehen von Kai Häfner kaum mehr Gefahr von den Rückraumpositionen ausging.

Deshalb stellte auch Sigurdsson um und tauschte Torhüter Heinevetter bei eigenem Ballbesitz phasenweise zu Gunsten eines siebten Feldspielers aus, um dauerhaft Überzahlsituationen und klare Torabschlüsse zu schaffen – mit Erfolg. In der Schlussphase behielt seine Auswahl Ruhe und Übersicht und brachte die Führung über die Zeit.

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