Auftaktspiel : Mehr polnische als deutsche Fans

Die Anhänger des deutschen Gegners sind in Klagenfurt in der Überzahl. Die Polizei greift vor dem Spiel zwischen Polen und Deutschland durch. Und Fernsehkomiker Oliver Pocher tritt mit dem Rechtspopulisten und Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider auf.

Polnische Fans
Haben in Klagenfurt die Oberhand: Die Fans der polnischen Mannschaft -Foto: AFP

KlagenfurtMehr Weiß und Rot als Schwarz-Rot-Gold: Kurz vor dem EM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Polen (20.45 Uhr, live im ZDF) waren die Fans der DFB-Elf am Spielort Klagenfurt in der Unterzahl. Zwar erwartete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) über 160000 Anhänger aus der Heimat, doch in der Kärntner Landeshauptstadt lagen die Fans vom Team Polska zunächst vorn. Stunden vor dem Anpfiff feierten zehntausende Menschen am Sonntag eine Party mit viel Bier und Gesang -knisternde Spannung lag schon in der Luft.

Nur das wechselhafte Wetter mit plötzlichen Regenschauern bremste die farbenfrohen Freiluft-Feierlichkeiten mit vielen Fahnen und bemalten Gesichtern. Die Polizei war vor allem rund um das Stadion und in der Innenstadt in höchster Alarmbereitschaft. Im Fokus der Beamten war vor allem die Straße "10. Oktober", die fest in Hand der Anhänger aus Osteuropa war. Zahlreiche Mannschaftswagen der Polizei waren in der Stadt postiert und aggressive Stimmung wurde gleich im Keim erstickt. Ein kleiner Streit in einem Lokal - und schon war ein Dutzend Polizisten zur Stelle. Mit zunehmender Tagesdauer häuften sich die Reibereien und die Arbeit für die 1700 österreichischen Polizisten und mehrere Hundertschaften der deutschen Polizei.

"Remember Dortmund"

Die Anhänger von Michael Ballack und Co. fanden sich vor allem auf der offiziellen Fanzone am "Neuen Platz“ mit lautstarken Gesängen und Sprechchören ein. Dort wollten sie die DFB-Elf auf einer Großleinwand sehen - am liebsten wie vor zwei Jahren. "Remember: Dortmund, 14. Juni 2006, 1:0 - O. Neuville“, lautete die Aufschrift auf einem Schild, das ein Anhänger aus Hannover vor sich hertrug. Weniger als ein Drittel der prognostizierten Besucher hatte Karten für den ersten EM-Auftritt ihrer Teams. An vielen Ecken waren Käufer mit Schildern "Suche Karte“ oder "Tickets needed“ zu sehen. "Biete 400 Euro“, war auf einer anderen Pappe notiert. So viel Geld wollten einige Jungs aus Bielefeld nicht zahlen: "Hauptsache in Klagenfurt sein.“ Ihre Pension hatten sie sich frühzeitig gesichert, "aber bei der Lotterie um die Karten sind wir leer ausgegangen“.

Zahlreiche Fan-Camps gab es in und um die Stadt herum. Das größte, das auf dem Messegelände, bot Platz für 1600 Anhänger. Im Camp des DFB am Hafnersee, rund 15 Kilometer von Klagenfurt entfernt, traten der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und der deutsche Comedy-Darsteller Oliver Pocher auf. "Bis es zum Treffen zwischen Deutschland und Österreich in Wien kommt, ist Österreich schon qualifiziert. Ihr Deutschen müsst euch gegen uns dann eben wirklich anstrengen“, meinte Haider - die Zuhörer nahmen den Rechtspopulisten nicht ernst. An vielen mobilen Ständen wurde gut verkauft - dagegen war man in den Restaurants abseits der offiziellen Fan-Meilen, auf denen auch kroatische Anhänger gesehen wurden, unzufrieden. „Wo sind denn die versprochenen tausende Gäste?“, fragte Testa Carmelo, der Wirt der Trattoria „Siciliana“ in der Klagenfurter Innenstadt. Lokale wie seines, das außerhalb der Uefa-Fan-Zone liegt, konnten kaum vom großen Ansturm auf die 160000-Einwohner-Stadt profitieren - bis zum Anpfiff des Österreich-Spiels waren nur rund 30 Gäste in sein Restaurant gekommen. (mfa/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar