Sport : Auftriebsgefühle

Die positive Entwicklung im deutschen Frauentennis setzt sich bei den French Open fort.

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Aufgestiegen. Annika Beck gewann 2012 den Juniorinnenwettbewerb bei den French Open in Paris. In diesem Jahr tritt sie erstmals bei den Frauen an – und überstand ihr Auftaktspiel problemlos. Foto: AFP
Aufgestiegen. Annika Beck gewann 2012 den Juniorinnenwettbewerb bei den French Open in Paris. In diesem Jahr tritt sie erstmals...Foto: AFP

Vor einem Jahr durfte Annika Beck die Siegertrophäe bei den French Open hochrecken. Sie brauchte kaum Kraft dazu, denn dieser silberne Pokal war längst nicht so imposant wie jener, den Maria Scharapowa damals nebenan auf dem Court Central bekam. Ihrer hatte bloß die Größe einer Müslischale. Aber das war Annika Beck egal, sie hatte den Juniorinnenwettbewerb beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt gewonnen. Das fühlte sich toll an. Doch seither hat die inzwischen 19-Jährige sogar noch schönere Gefühle in ihrem Berufsleben als Tennisprofi kennen gelernt. Wie am Mittwoch, als sie die zweite Runde in Paris erreichte: „Ich habe mich riesig über den Juniorentitel gefreut, aber bei den Frauen zu gewinnen, fühlt sich noch viel besser an.“

Gegen die Tschechin Sandra Zahlavova spielte Beck auf dem etwas abseits gelegenen Court 4 eine fast fehlerfreie Partie und gewann zügig mit 6:2 und 6:1. „Ich war doch etwas nervös vor diesem Match“, gestand sie, „aber jetzt bin ich froh, dass ich so einen starken Auftritt hatte.“ Der Platz Nummer 4 sollte nach ihr auch noch Dinah Pfizenmaier Glück bringen, denn die 21 Jahre alte Qualifikantin setzte sich fast ebenso souverän 6:3 und 6:3 gegen die Polin Urszula Radwanska durch. „Das ist wie ein Traum“, schwärmte sie, „dabei wollte ich eigentlich nur ins Hauptfeld – jetzt stehe ich in der dritten Runde. Wahnsinn.“ Während bei den deutschen Männern die Aussichten für die Zeit nach Thomas Haas eher trübe sind, haben die Frauen allen Grund für Optimismus. Besonders bei Beck verlief die Entwicklung scheinbar mühelos und rasant. Bis auf Weltranglistenplatz 59 war sie kürzlich schon geklettert und hat sich bereits bei den Topspielerinnen Respekt erarbeitet.

Beim Stuttgarter Turnier war Beck zwar an der ehemaligen Wimbledonsiegerin Petra Kvitova gescheitert, doch deren Lob hatte Beck viel Auftrieb gegeben: „Sie sagte, sie hätte zwar schon von mir gehört, aber nicht gedacht, dass ich so gut spielen kann.“ Vielleicht wird sich auch die Weltranglistendritte Victoria Asarenka bald ihren Namen merken, denn Beck will in der nächsten Runde so gut spielen, wie sie kann und auf die große Überraschung hoffen. „Vor allem will ich es genießen, auf einem so großen Platz zu spielen“, sagte Beck, „es ist so schön, dass man jetzt dazugehört.“ Ähnlich mittendrin fühlt sich auch Pfizenmaier, die es bei den vorherigen French Open aus der Qualifikation in die zweite Runde geschafft hatte. „Vor einem Jahr fühlte ich mich noch wie ein Zuschauer“, sagte Pfizenmaier, „jetzt ist es immer noch unglaublich, wenn ein Federer oder Nadal an mir vorbei läuft. Aber ich gehöre nun dazu.“

Pfizenmaier hatte ein bisschen länger gebraucht, um sich an die Welt der Profis zu gewöhnen. Doch mit ihrem jüngsten Coup kann ihr der Sprung von Rang 127 in die Top 100 erstmals gelingen. „Ich habe mir nach Paris zu viel Druck gemacht“, sagte sie. Sie sei zu selbstkritisch mit sich, meinte Pfizenmaier, aber es werde besser. Seit dem Turnier in Stuttgart ist sie wieder besser in Form, da kam der Spaß am Tennis zurück. „Zeitweise hatte ich sogar Angst vor dem Verlieren“, erzählte sie, „aber das ist vorbei.“ Auch sie will in ihrem nächsten Match „nicht vor Respekt erstarren“, wenn sie gegen Urszulas jüngere Schwester Agnieszka Radwanska antreten muss. Die ist nämlich die Nummer vier der Welt. „Ich werde versuchen, sie zu ärgern“, kündigte Pfizenmaier an, „und vielleicht liegt ihr mein Spiel ja so wenig wie ihrer Schwester.“

Angelique Kerber ist dagegen längst in der Welt der Großen angekommen. Als Weltranglistenachte erledigte sie ihre Pflichtaufgabe in der zweiten Runde gegen die Slowakin Jana Cepelova mit 6:2 und 6:2 genauso souverän wie Sabine Lisicki, die 6:4, 6:0 gegen die Spanierin Maria-Teresa Torro-Flor gewann. Doch auch für Kerber ist in dieser Saison etwas anders: „Bisher war ich die Jägerin, jetzt bin ich die Gejagte. So langsam habe ich mich aber daran gewöhnt.“

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