Sport : Auftritt der Frustrierten

5000 m und Hürdensprint Höhepunkte beim Istaf

Frank Bachner

Berlin. „Liu Xiang - lehre uns 2008 fliegen“, schrieb eine Pekinger Jugendzeitung euphorisch, nachdem Xiang „ein Wunder“ vollbracht hatte. Der 21-jährige Chinese war in Athen Olympiasieger über 110 m Hürden geworden – in 12,91 Sekunden, Weltrekord eingestellt, bedeutete das. Am nächsten Sonntag möchte Allen Johnson den Chinesen aber erst mal lehren, wie man gegen einen viermaligen Weltmeister im Hürdensprint verliert. Da trifft der US-Amerikaner beim Internationalen Stadionsportfest (Istaf) im Olympiastadion auf den Überraschungs-Olympiasieger. Johnson war in Athen im Zwischenlauf gestürzt, jetzt will er in Berlin die Verhältnisse im Hürdensprint zurechtrücken.

Das Duell Xiang mit Johnson gehört zweifellos zu den Höhepunkten des Leichtathletik-Meetings, der letzten Station der Golden-League-Serie. In Berlin (Meeting-Beginn: 12 Uhr) geht es um den Jackpot, die Prämie von einer Million Dollar für den Gesamtsieg in einer Disziplin. Chancen auf diese Prämie haben nur noch zwei Athleten: Christian Olsson, der schwedische Olympiasieger im Dreisprung, und die 400-m-Läuferin Tonique Williams-Darling von den Bahamas. Sie sind zwei von diversen Topstars, die beim Istaf an den Start gehen.

Zu einem weiteren Höhepunkt könnten die 5000 m der Frauen werden. Auf dem Papier jedenfalls gehen Spitzenläuferinnen an den Start. Berhane Adere aus Äthiopien zum Beispiel. Die Weltmeisterin über 10 000 m von 2003 lief im vergangenen Jahr in Oslo 14:29,32 Minuten, damals die zweitschnellste jemals gelaufene Zeit. Bei den Olympischen Spielen in Athen fehlte sie allerdings. Ihr Verband hatte sie nicht nominiert. Mit entsprechend viel Wut geht sie an den Start. In Berlin trifft sie auf die Weltrekordlerin. Die Türkin Elvan Abeylegesse lief in Bergen 14:24,68 Minuten. In Athen freilich enttäuschte sie mit 15:12,64 Minuten und Platz acht. Erheblich besser hat in Athen Isabella Ochichi abgeschnitten. Die Kenianerin gewann Silber über die 5000 Meter.

Am Start sind in Berlin auch die beiden einzigen deutschen Medaillengewinner von Athen in der Leichtathletik: Nadine Kleinert, die Silbermedaillengewinnerin im Kugelstoßen, und Steffi Nerius, die Olympiazweite im Speerwerfen. Reizvoll, wenn auch nicht hochklassig, dürfte der Weitsprung der Frauen werden. Marion Jones, die dreimalige Olympiasiegerin von Sydney, die in Athen aber nur im Weitsprung und in der Staffel startete, trifft auf Heike Drechsler. Die zweimalige Olympiasiegerin hat ihre Oberschenkelverletzung überstanden, dürfte aber kaum in der Lage sein, mehr als passable Weiten zu springen.

Natürlich ist das Istaf in diesem Jahr nicht bloß ein hochkarätiges Sportfest. Es soll auch die sportliche Kulisse für die Bewerbung Berlins um die Weltmeisterschaft 2009 sein. Je besser das Istaf abläuft, umso mehr steigen Berlins Chancen, die WM zu erhalten.

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