Sport : Aufwärmen, auslaufen

Bayern trifft auch in Bochum beim 4:1 auf keine Gegenwehr

Richard Leipold

Bochum. Wer soll die Bayern in dieser Saison noch schlagen? Diese Frage stellt sich die ganze Bundesliga. Wie erwartet blieben auch die Fußballspieler des VfL Bochum die Antwort schuldig. Beim 1:4 gegen den uneinholbar führenden Klassenprimus wirkten die Westfalen hilflos. Selbst ihr geschwätziger Trainer Peter Neururer, der seiner Elf einen Sieg zugetraut hatte, äußerte sich hinterher kleinlaut. „Die Bayern spielen in einer anderen Liga, sie sind das Maß aller Dinge.“

Die Bayern hatten die Anfangsphase des Spiels zu einem ausführlichen Aufwärmprogramm umgestaltet. Auf diese Weise weckten sie bei den Bochumern für eine gute Viertelstunde die Illusion, die Partie offenhalten zu können. Obwohl der Favorit sich zunächst eine freiwillige Selbstbeschränkung auferlegte, war die Ehrfurcht der Einheimischen zu groß. Im Gefühl, ohne großen Aufwand alles unter Kontrolle zu haben, konzentrierten sich die Bayern auf das Wesentliche: Claudio Pizarro nutzte die erste Chance der Partie in der 18. Minute zum Führungstreffer. Noch vor der Pause folgte der zweite Streich. Obwohl der Bochumer Schlussmann Rein van Duijnhoven großen Anteil an diesem Tor hatte, reklamierten die Bayern die Urheberrechte für Giovane Elber, der seit langem nur noch im heimischen Olympiastadion zu treffen pflegt. „Ich freue mich für Giovane, dass er auswärts den Bann gebrochen hat“, sagte Bayerntrainer Ottmar Hitzfeld.

Wer auch immer der Kugel den entscheidenden Kick gegeben hat – für Neururer war „das Spiel nach dem 0:2 gelaufen“. Von da an sei es für seine Elf nur noch darum gegangen, „den Schaden zu begrenzen“. Ganz gelungen ist das nicht. Niko Kovac und Willy Sagnol bauten den Vorsprung weiter aus. Was begonnen hatte wie ein Aufwärmprogramm, endete für die hochüberlegenen Münchner als lockeres Auslaufen. An der Trainingseinheit im ausverkauften Ruhrstadion konnte in der letzten Viertelstunde auch Sebastian Deisler teilnehmen, der sich nach langer Leidenszeit allmählich an die Bundesliga herantastet.

Mangels anderer Spannungsmomente stand in der Schlussphase eine bedeutende statistische Frage im Vordergrund: Würde Oliver Kahn auch das sechste Auswärtsspiel nacheinander ohne Gegentor überstehen? Nein, da machten die braven Bochumer dann doch nicht mit. Der viel zu spät eingewechselte Mittelstürmer Thomas Christiansen beendete die Serie in letzter Minute. Kahns Ärger über das für ihn ein wenig unerfreuliche Ende hielt sich in Grenzen. „Das ist nicht so wichtig“, sagte er tapfer. Auf ein Gegentor mehr oder weniger kommt es für den FC Bayern in nächster Zeit wirklich nicht mehr an.

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