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Aufwand zu hoch : 1. FC Union Berlin meldet zweite Mannschaft ab

Der 1. FC Union Berlin löst seine U-23-Mannschaft auf und meldet das Team nach drei Spielzeiten in der Regionalliga Nordost im Sommer ab. Das hat auch Konsequenzen in der Abstiegsfrage für die Regionalliga Nordost.

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Bajram Nebihi (links) wird mit der zweiten Mannschaft vom 1. FC Union demnächst nicht mehr in der Regionalliga spielen.
Bajram Nebihi (links) wird mit der zweiten Mannschaft vom 1. FC Union demnächst nicht mehr in der Regionalliga spielen.Foto: Imago

Am Dienstagvormittag versammelten sich die Fußballer der Regionalliga-Elf des 1. FC Union zum Krafttraining in der Ballspielhalle an der Hämmerlingstraße. Alles wie immer – bis Lutz Munack ihnen kurz vor der Einheit eine schlechte Botschaft überbrachte. Der kaufmännisch-organisatorische Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums erklärte den Spielern, dass ihre Mannschaft zum Saisonende aufgelöst und die Talententwicklung bei Union anders gestaltet wird. „Ich bin davon auch überrascht worden“, sagte der U-23-Trainer Robert Jaspert. „Die Motivation der Mannschaft für die letzten Spiele wird dadurch noch schwerer.“

Der 55-Jährige wäre ohnehin zum Saisonende im gegenseitigen Einvernehmen aus dem Amt geschieden. Und bis auf wenige Spieler mit Verträgen wie Bryan Henning oder David Hollwitz hätten die meisten wohl ebenfalls die U23 mangels Perspektive im Sommer verlassen.

Noch vor zwei Wochen hatte Vereinssprecher Christian Arbeit erklärt, dass der Rückzug der U23 nicht angedacht sei. Am Dienstag betonte Arbeit nun, dass die Entscheidung des Präsidiums auf Empfehlung der Leitung des Nachwuchs-Leistungszentrums erst drei Tage zuvor gefallen sei. Fakt ist, dass bis Mittwoch um 15 Uhr die Meldung für die kommende Saison beim Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) erfolgen muss. Dort ist man von Unions Entscheidung verwundert. „Es ist schon eine Überraschung. Wir wurden am Dienstag telefonisch vom Verein informiert“, sagte NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs. „Die offizielle schriftliche Begründung erfolgt später. Union steht damit als Absteiger fest.“

Union will zukünftig seine größten Talente direkt aus der A-Jugend zu den Profis holen

Der Tabellenletzte FC Viktoria Berlin kann aber noch nicht über den Nicht-Abstieg jubeln. Der insolvente VFC Plauen geht gegen den damit laut NOFV-Statuten verbundenen Zwangsabstieg ja noch juristisch vor. Um ganz sicher zu gehen, müsste Viktoria auf Platz 14 klettern. Zudem darf kein ostdeutscher Drittligist absteigen.

Union will zukünftig seine größten Talente direkt aus der A-Jugend (U19) zu den Profis stoßen lassen. Da habe sich schon bei den aktuellen Zweitligaspielern aus der eigenen Jugend wie Christopher Quiring, Steven Skrzybski, Björn Jopek und Eroll Zejnullahu bewährt. Die Spielpraxis, die diese Eigengewächse früher in der U23 bekamen, sollen ihre potenziellen Nachfolger zukünftig in 14 bis 16 Freundschaftsspielen pro Jahr und in Einheiten unter der Anleitung von Hermann Andreev bekommen. Der Fußball-Lehrer ist Sportchef des Nachwuchs-Leistungszentrums. „Hermann Andreev wird direkt mit Cheftrainer Norbert Düwel zusammenarbeiten, er wird direkt ans Trainerteam angeschlossen“, sagte Munack. Die Spielzeit für Talente in den Testspielen werde höher liegen als in der jetzigen U23. Da die Regionalliga-Partien häufig parallel zu denen der Profis stattfanden, habe eine Einsatzchance zuletzt nur bei 30 Prozent der Spiele bestanden.

Union spart so Kosten in Höhe einer mittleren sechsstelligen Summe

Unions Vorgehensweise ist kein Einzelfall, seit die DFL vor einem Jahr die Lizenzierung für die Bundesliga oder Zweite Liga nicht mehr von einer Haltung einer zweiten Mannschaft abhängig machte. 2014 zogen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt ihre U-23-Teams zurück. Union spart so Kosten in Höhe einer mittleren sechsstelligen Summe, die für die Spieler, Reisekosten und die Organisation der in der Regel nur wenige hundert Zuschauer interessierende Heimspiele anfielen. „Wir sind überzeugt davon, dass die frei werdenden Mittel im Nachwuchsleistungszentrum an anderer Stelle deutlich effektiver eingesetzt werden können“, sagte Lutz Munack.


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