Sport : Aufwind nach der Krise

Viele Formel-1-Piloten wollen für Sauber fahren.

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Suzuka - Vor nicht einmal drei Monaten, im Sommer, da war das Schweizer Formel-1-Team Sauber bei vielen Experten schon fast abgeschrieben. Es wurden über die gewaltigen Finanznöte und eine sicher bald folgende Pleite spekuliert. Hinzu kamen zu Saisonbeginn sportliche Probleme, das Auto lief bei Weitem nicht so wie erwartet – was die Gesamtperspektiven nicht gerade verbesserten.

Doch die Dinge haben sich zuletzt deutlich zum Besseren gewendet. Ein Deal mit russischen Investoren bringt allmählich wieder Geld in die Kassen. Und auch viele Probleme am Auto bekam Sauber im Laufe der Zeit besser in den Griff. Zuletzt fuhr Sauber-Pilot Nico Hülkenberg in Korea auf einen sensationellen vierten Platz.

Der Rennstall von Teamchefin Monisha Kaltenborn gehört damit nicht erst vor dem Großen Preis von Japan am Sonntag in Suzuka zu den begehrtesten Anlaufstellen für all diejenigen Piloten, die noch ein Cockpit für 2014 suchen. Einen der beiden Plätze soll durch den Russlanddeal Sergei Sirotkin bekommen. Der 18-jährige Russe absolvierte am vergangenen Donnerstag in Italien seine ersten echten 180 Formel-1-Kilometer in einem Ferrari aus dem Jahr 2009 auf der Teststrecke der Italiener in Fiorano.

Die Besetzung des zweiten Cockpits scheint hingegen noch offen – und die Liste der Fahrer, die sich dafür bewerben, wird immer länger.

Esteban Gutierrez würde natürlich gerne bleiben, auch mit Unterstützung mexikanischer Sponsoren. Selbst Hülkenberg, auch noch ohne Rennstall für 2014, schien zuletzt wieder zu versuchen, doch noch einmal ins Gespräch zu kommen bei Sauber. Doch wahrscheinlicher ist sein Wechsel zu Lotus, um dort Nachfolger von Kimi Räikkönen zu werden. Lotus-Teamchef Eric Boullier deutete in Suzuka in einem TV-Interview an, dass es in den nächsten Tagen zu einer Einigung kommen würde.

Auch Force-India-Pilot Adrian Sutil wäre für Sauber neben dem jungen Sirotkin sicherlich eine interessante Option. Angefragt haben aber auch noch andere – allein drei Brasilianer. Doch Rubens Barrichello, seit zwei Jahren Formel-1-Pensionär, holte sich eine deutliche Abfuhr. Felipe Massa will man wohl auch nicht unbedingt bei Sauber haben, weil man befürchtet, dass er sich nach vielen Jahren in einem reichen Topteam in einer kleinen Mannschaft nicht mehr einfügen könnte. Dritter ist Felipe Nasr, der junge Brasilianer aus der GP2, der als sehr talentiert gilt. Zu den weiteren Bewerbern zählen Vitaly Petrov, der dank russischer Verbindungen und auch zweistelliger Sponsormillionen auf eine Chance hofft. Giedo van der Garde, der die Millionen seines Schwiegervaters, eines reichen Textilunternehmers, gern von Caterham zu Sauber tragen würde. Und auch der letztjährige Sauber-Fahrer, Kamui Kobayashi, hat schon angefragt.

Dass ihr dieser Andrang jetzt aber eine gewisse Genugtuung bereite, zu diesem Eingeständnis will sich Monisha Kaltenborn aber nicht hinreißen lassen. Sie bleibt sehr sachlich – in der guten Phase genau wie zuvor in der schlechten Phase: „Wenn man in einem Business wie dem Racing ist, dann weiß man, dass es Höhen und Tiefen gibt, die extrem sind. Wir haben letztes Jahr auch eigentlich unerwartet gewisse Höhen erlebt und jetzt diese Tiefen, die genauso unerwartet waren. Das gehört dazu“, sagt die Teamchefin: „Wir wissen, dass das Einzige, was wirklich zählt, der Erfolg ist. Und wenn der da ist, dann kommen die anderen Dinge – wie eben auch das Interesse vieler Fahrer.“ Karin Sturm

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