Sport : Augenblick des Innehaltens

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Benedikt Voigt über die Frage, wann Fußballspiele abgesagt werden sollen

Nach der Trauer kam die Empörung. „Es war eine Schande, dass wir letzte Nacht spielen mussten“, sagte Rafa Benitez, Trainer des FC Valencia. Vier spanische Mannschaften mussten am Donnerstagabend im UefaCup antreten, obwohl am Morgen ein verheerender Terroranschlag in Madrid das Land erschüttert hatte. Fast 200 Menschen kamen dabei ums Leben. Mit einer Gedenkminute wurde vor den Spielen der Opfer gedacht. Das war zu wenig. Fabio Capello, der Trainer des AS Rom, der beim spanischen Klub Villareal verlor (0:2), sagt: „Es waren nicht die richtigen Umstände, um Fußball zu spielen.“

Wann sind die richtigen Umstände für ein Fußballspiel? Mit dieser Frage musste sich der europäische Fußballverband schon öfter beschäftigen. Am Abend des 11. September 2001 beging er einen Fehler, als er die angesetzten Champions-League-Spiele nicht absagte. Am darauffolgenden Tag revidierte der Verband seine Entscheidung und sagte wenigstens die Mittwochsspiele ab. Trainer Huub Stevens erinnert sich nur noch undeutlich an sein Spiel mit Schalke 04 am 11. September 2001. „Wir hatten doch alle die Bilder aus New York im Kopf“, sagte Stevens ein Jahr danach, „ich wollte die Bilder wegkriegen, aber das ging nicht.“ Warum soll es den spanischen Spielern am Donnerstagabend anders ergangen sein? Benitez stammt aus Madrid, seine Sorgen an jenem Tag galten den Verwandten in der spanischen Hauptstadt. Und nicht dem FC Valencia. Natürlich müssen die Spiele weitergehen. Aber ein Augenblick des Innehaltens ist bei so tragischen Unglücken geboten.

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