Augenringe : Der Mann mit dem Hammer

Die tägliche Olympia-TV-Kolumne. Heute bewundert Bernd Gäbler das unglaubliche Regenerationsvermögen der Hochleistungssportler.

Bernd Gäbler

Wir haben kaum ein Gefühl für den Abstand zwischen einer Hochleistung und alltäglichem Sport. Im Winter noch weniger als im Sommer, wenn es um Laufen, Springen oder Werfen geht. Wir wissen nicht, wie es ist, sich von Schanzen zu stürzen oder in einem Bob den Eiskanal hinunterzurasen. Allenfalls die Anstrengung können wir nachvollziehen.

Und neben den Bildern der Freude, des leuchtenden Medaillenglücks, des stillen oder explodierenden Jubels gehen uns deswegen die Fernsehbilder von der übermenschlichen Anstrengung menschlich nahe. Kaum haben Skilangläufer oder Biathleten den Zielstrich überquert, sacken sie in sich zusammen, fallen auf die Knie, stützen sich auf die Ellenbogen, vergraben das Gesicht in ihren Händen. Sie wissen schon, dass der Sabber, der zum Mund heraushängt, nicht schön aussieht, aber sie haben nicht einmal die Kraft, ihn abzuwischen. Sie japsen im Rhythmus von Nähmaschinen. Was für ein Elend! Wie sie leiden! Manchen reicht es nicht, sich auf Knie und Ellenbogen zu stützen, sie strecken sich ganz in den Schnee, wollen eins werden mit dem Boden. Sie sind am Ende.

Auch wir schwitzen schon mal, sind ausgepumpt oder atmen kürzer – aber das? Furchtbar! Warum sind diese Männer und Frauen so fertig, obwohl sie doch ständig trainieren? Wie kann man sich nur freiwillig so schinden? Wir würden uns nicht nur übergeben, wir wären tot, zumindest tagelang krank.

Was aber machen die, die gerade noch so herzergreifend elendig im Schnee um Luft rangen? Zwei, drei Minuten später stehen sie vor einem Mikrofon und geben Auskunft über den Rennverlauf, sagen allenfalls, da sei in der letzten Runde „der Mann mit dem Hammer“ gekommen, sie seien „blau“ oder gar „geplatzt“, wirken dabei aber schon wieder ganz frohgemut.

Es ist unglaublich, unfassbar. Was für eine Regeneration! Was für Körper, was für Menschen – Hochleistungssportler eben.

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