Augenringe : Fertig mit HD-Ready

Die tägliche Olympia-TV-Kolumne. Joachim Huber ist HD-Ready, aber nicht HD-Happy.

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Vancouver, das sind Winterspiele im extra scharfen Fernsehmaßstab. High Definition statt Standard Definition! Ich hatte mich intensiv vorbereitet: Der Fernseher ist HD-Ready, ich bin HD-Ready – aber HD-Happy bin ich nicht.

Gerade bei den Draußen-Wettbewerben erliege ich mehr und mehr dem Eindruck, die HD-Technik bringe den Nebel wie eine Tröpfcheninfusion zur Wirkung. Meine Jogging-Kombi wird klamm, so feucht kommt der Nebel rüber. Auch erhält jede Schneeflocke ihre individuelle Kristallstruktur, ganz zu schweigen vom Eis, das noch glatter und noch gefährlicher wirkt als jede Eisscholle in Berlin. Und das Wischen und Mobben beim Curling, das ist nicht nur ein Augenschmaus für die schwäbische Hausfrau.

Beim Rest vom Fest bin ich unsicher geworden. Sind die Sportler, die Reporter schärfer im Bild? Vergrößert das vergrößerte Bildformat nicht zugleich den Unsinn der Kommentare und Meinungen, weil der Hirni in mir sofort den Abgleich zwischen dem Gesehenen und dem Gehörten vornimmt?

Ich, der HD-Nutzer, habe merkwürdige und anstrengende Visionen. Ich sehe schärfer, doch nicht genauer, ich blicke tiefer, Tieferes erkenne ich nicht. Wem Derartiges widerfährt, der muss, das wusste schon ein Bundeskanzler, zum Augenarzt. Ich stehe jetzt vor meinem ersten HD-Ready-Augensehtest. Obwohl ich mittlerweile der festen Überzeugung bin, dass hinter dem High-Definition-Getöse eine Riesenverschwörung von Fernsehsendern, Augenärzten, Optikern und Brillenindustrie steckt. Die wollen doch, dass wir an unserer Sehkraft zweifeln, oder?

Bevor ich mich dem HD-Test unterziehe, werde ich heute Abend meine 3-D-Brille aufsetzen. Bei „Avatar“ sah ich Fabelwesen schweben und ich fand es wunderbar.

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