Augenringe : Prekariat der Medaillen

Die tägliche Olympia-TV-Kolumne. Norbert Thomma wundert sich über die vermeintlichen Experten bei ARD und ZDF, die inzwischen sogar manchen Politikern ein Dorn im Auge sind.

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Seit es losging in Vancouver, schauen uns bekannte Gesichter an, ein wenig faltig gewordene Gesichter, sie schauen aus ARD und ZDF und werden „Experten“ genannt. Sie sind in ihrem ersten Leben Weltmeister gewesen oder Olympiasieger, heute sind sie nur noch Ex-, das genügt, im öffentlich-rechtlichen Experte zu sein. Sie heißen Kati Witt und Sven Fischer, Markus Wasmeier und Gunda Niemann-Stirnemann.

Die Partei Die Linke will nun im Bundestag eine Debatte über diese, wie sie es nennt, „Verschleuderung von Gebührengeldern“. Wochenlang würden Dutzende von Ex-Medaillengewinnern in Kanada durchgefüttert und in noblen Hotels beherbergt, ohne dass dies den Bildungsstand der Zuschauer erhöhe. FDP-Minister Dirk Niebel kündigte an, den Aufenthalt dieser „Botschafter Deutschlands“ notfalls aus seinem Feuerwehretat zu bezahlen, den dies sei „Entwicklungshilfe, wie ich sie verstehe“.

Was aber wäre die Alternative? Die Sport-Experten haben nichts gelernt als Skifahren oder Eislaufen, sie sitzen sonst zu Hause, schauen schon morgens RTL oder Kabel 1 und essen dazu fettige Fertigpizza. Soziologen sprechen von einem „Medaillenprekariat“, das nach der Karriere in ein „Sinnloch“ falle. Psychologisch sei diese Seniorenverschickung also durchaus sinnvoll.

Derweil erregt sich Claudia Roth (Grüne) über einen Satz von Kati Witt, Eislaufen sei immer „volle Kanone voraus!“, von deutschem Boden aus dürften nie wieder Kanonen losgehen. Auch Wasmeiers Satz: „ein kalter Schuh ist aggressiver“ sei im Zeichen der Kundus-Affäre unerträglich. Schon ätzt Ex-Joschka Fischer, ob man denn künftig mit angewärmten Skischuhen nach den Taliban werfen solle!? ARD und ZDF weisen darauf hin, sie müssten jährlich acht Millarden Euro Gebühren ausgeben, das sei mehr als der Haushalt von Mecklenburg-Vorpommern und gar nicht so einfach.

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