Augsburg - Hertha 1:1 : Rafael vermasselt Hertha die Herbstmeisterschaft

Hertha holt in Augsburg nur einen Punkt, weil Nando Rafael trifft. Die Schuld für den verpassten Sieg suchen die Berliner aber bei Schiedsrichter Gagelmann. "Ihm fehlte jedes Fingerspitzengefühl", sagt Christian Lell.

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Ex-Herthaner Nando Rafael (r.) erzielte per Elfmeter den 1:1-Ausgleich, Roman Hubnik flog in der Schlussphase vom Platz.
Ex-Herthaner Nando Rafael (r.) erzielte per Elfmeter den 1:1-Ausgleich, Roman Hubnik flog in der Schlussphase vom Platz.Foto: dpa

Vier Platzverweise, zwei Tore und kein Sieger. Es war ein denkwürdiges Spitzenspiel, das sich der FC Augsburg und Hertha BSC am letzten Hinrundenspieltag der Zweiten Fußball-Bundesliga lieferten. Vor 25 647 Zuschauern in der neuen Augsburger Arena war Hertha war zwar schon früh durch eine Rote Karte gegen Kapitän Andre Mijatovic geschwächt worden und lag doch durch ein Tor von Nikita Rukavytsya lange vorn. Am Ende reichte es nur zu einem 1:1, weil Schiedsrichter Peter Gagelmann einen mehr als umstrittenen Elfmeter für Augsburg pfiff, den der frühere Berliner Nando Rafael zum Ausgleich verwandelte. Zum Schluss verlor der Schiedsrichter völlig die Übersicht und stellte auch noch den Berliner Roman Hubnik sowie die Augsburger Daniel Baier und Axel Bellinghausen vom Platz.

Hertha wird also nicht wie erhofft als Tabellenführer in die kurze Winterpause gehen, „obwohl wir es verdient hätten“, wie Verteidiger Christian Lell befand, „aber leider fehlte dem Schiedsrichter jedes Fingerspitzengefühl.“ Trainer Markus Babbel mokierte sich über „einen Elfmeter, der keiner war, das hat sich ja inzwischen herumgesprochen“. Und: „Es ist schon bitter, auf diese Weise um den Sieg gebracht zu werden.“

Das finale Chaos überlagerte ein lange Zeit von den Berlinern sehr gut geführtes Spiel. Herthas Abwehr stand sehr hoch und empfing ihren Gegner schon kurz hinter der Mittellinie. Das verschaffte den Berlinern von Beginn an eine optische Überlegenheit, die sie zu schönen Ballstafetten nutzte. Es barg diese mutige Organisation aber auch ein gewisses Risiko, in dessen Konsequenz Hertha schon nach einer Viertelstunde nur noch mit zehn Spielern auf dem Platz vertreten war. Nando Rafael, der Augsburger Stürmer mit Berliner Vorgeschichte, war nach einem langen Pass allein in Richtung Tor gelaufen, hart bedrängt von Mijatovic. Herthas Kapitän trat einmal zu, Rafael strauchelte, beim zweiten Tackling fiel er dann, aber da hatte Gagelmann schon gepfiffen. Da Mijatovic sein taktisches Foul als letzter Berliner vor Torhüter Sascha Burchert platziert hatte, sah er, durchaus regelkonform, die Rote Karte, auch wenn der frustrierte Berliner später eine „sehr harte Entscheidung“ sprach.

Die zuvor drückend überlegenen Berliner brauchten zehn Minuten, um sich auf die veränderte Situation einzustellen. Es waren die besten zehn Augsburger Minuten, aber sie verstrichen ungenutzt. Dann organisierte Fabian Lustenberger gemeinsam mit Roman Hubnik die Abwehr, Raffael ließ sich im Mittelfeld ein bisschen zurückfallen, was ihn nicht daran hinderte, immer dort aufzutauchen wo gerade der Ball war. Den schönsten Pass des Nachmittags schlug sein Bruder Ronny, und zwar nach exakt 28 Minuten in den Lauf von Rukavytsya. Der Australier ließ am linken Strafraumeck Bellinghausen stehen, er lief noch ein paar Meter und schob den Ball aus spitzem Winkel an Jentzsch vorbei zum 1:0.

Hertha führte, Hertha hatte das Spiel im Griff, aber Hertha versäumte es, rechtzeitig alles klar zu machen. „Das ist der einzige Vorwurf, den man der Mannschaft machen kann“, sagte Manager Michael Preetz. Ronny hätte sich berühmt schießen können, als er nur ein paar Minuten nach dem 1:0 einen Augsburger Querschläger aufnahm, auch noch Uwe Möhrle ausspielte, aber dann zu schwach schoss, so dass Jentzsch mühelos parieren konnte.

Da aber Hertha hinten sicher stand, schien alles auf einen Sieg hinauszulaufen. In Minute 69 fand das erste Mal ein Augsburger Schuss seinen Weg auf das Berliner Tor – und der hatte dann gleich den Ausgleich zur Folge. Torhüter Sascha Burchert hatte einen Schuss des Augsburgers Sören Bertram abprallen lassen und im Nachsetzten den gerade eingewechselten Torsten Oehrl touchiert. Der Augsburger fiel sofort und spektakulär, allerdings ohne Mitwirken, wie in der Fernsehaufzeichnung zu sehen war. „Wir hatten doch Sicherheitsabstand, und wenn, dann berührt er mich“, erzählte der Torhüter später. Den fälligen Elfmeter verwandelte Nando Rafael nach einigem Hin und Her und einer Gelben Karte gegen den protestierenden Hubnik, sie sollte noch Folgen haben.

Denn jetzt zog Peter Gagelmann sein Kartenspiel auf. Zuerst traf es den Augsburger Daniel Baier, der ein paar Minuten nach dem Ausgleich für ein vermeintliches Nachtreten ebenfalls Rot sah. Als nächster flog Bellinghausen vom Platz, obwohl dieser zuvor vom hart einsteigenden Berliner Pierre-Michel Lasogga ungegrätscht worden war und eher unabsichtlich dessen Fuß traf. Und warum Hubnik in der Schlussminute ebenfalls vom Platz flog, weiß nur der Schiedsrichter. Der Tscheche hatte nach einem Kopfball des eingewechselten Adrian Ramos an den Pfosten den Fuß behutsam zurückgezogen, um Torhüter Jentzsch nicht zu verletzten. Trotzdem musste Hubnik runter, und sein Kollege Andre Mijatovic sprach den schönen Satz: „Heute haben die beiden besten Mannschaften der Zweiten Liga gespielt, aber leider nicht in den Hauptrollen.“

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