Auktion : WM-Inventar versteigert

Rund 600 Erinnerungsstücke der Fußball-WM sind in Kaiserslautern versteigert worden. Zu den Angeboten zählten neben Eckfahnen und Pressestühlen auch ein Fußball mit den Unterschriften der deutschen Nationalelf.

Kaiserslautern - Für einen guten Zweck versteigerte das Auktionshaus Dechow im Auftrag des WM-Organisationskomitees im Industriemuseum auf dem ehemaligen Gartenschaugelände mehr als 600 original WM-Inventarstücke. Vom Hinweisschild "No smoking, please" über Topfpflanzen und Sitzgruppen bis hin zu metergroßen Raumteilern oder Interviewstellwänden war alles vorhanden. Auch die Fußballfans kamen auf ihre Kosten, konnten sie doch für Eckfahnen oder einen Ball mitsteigern, den die Unterschriften der deutschen Nationalspieler zieren.

Der rote adidas-Ball mit dem klangvollen Namen Lustiano war der Star der Auktionsparty. Das Schlussgebot lag bei 1010 Euro. Den Zuschlag von Jan Bröker, Auktionator und Geschäftsführer des Hamburger Auktionshauses, erhielt nach einem Bietergefecht der 43-jährige Thomas Kölsch aus Zweibrücken. "Bei 1050 Euro wäre meine Schmerzgrenze erreicht gewesen", sagt der Hotelier nach der Auktion und fügt mit einem Lachen hinzu: "Vielleicht wäre ich aber noch höher gegangen."

Ersatz für den ausgefallenen Urlaub

Der Ball kommt nun in eine Glasvitrine und wird in Kölschs Hotel Appart ausgestellt. Gäste der 80-Betten-Herberge könnten dann das "einmalige Andenken" bewundern, sagt Kölsch. Er habe keine Tickets für WM-Spiele bekommen. Und da er Fußball-Fan sei, wollte er sich so sein persönliches Erinnerungsstück sichern. Den Preis hält Kölsch deswegen auch nicht für zu hoch. "Ich habe in diesem Jahr keinen Urlaub gemacht, der Ball ist dafür quasi ein Ersatz."

Dass der Preis die 1000-Euro-Marke geknackt hat, liegt neben dem Verkaufstalent des Auktionators aber auch an Bernd Eckhardt, der bis zu dieser Grenze mitging. "Enttäuscht bin ich nicht. Aber ich hätte den Ball schon gern gehabt", sagt der 42-jährige aus Kaiserslautern. Nun müsse er sich nach einem anderen "persönlichen Andenken an seine WM umschauen". Eckhardt war während der WM freiwilliger Helfer in Kaiserslautern. "Vielleicht steigere ich noch für eine Fahne", sagt er.

Auf eine der angebotenen Fahnen, immerhin bis zu vier Meter lang, hatte es auch Manuel Merkle abgesehen. Auch er hatte als Volunteer in der fußballverrückten pfälzischen Stadt dafür gesorgt, dass die Welt für vier Wochen zu Gast bei Freunden war. Um jeden Preis wollte er das blau-grüne "WM-Erinnerungsstück" aber nicht haben. "Der Startpreis von 80 Euro ist mir zu hoch", sagt der 27-Jährige. "Im Internet sind sie schon für etwa 30 Euro zu haben."

Erlöse kommen der Fritz-Walter-Stiftung zugute

Die erste der "Fifa Worldcup Germany 2006"-Fahnen - ein Stück aus dem Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart - ging für 50 Euro weg. Zuviel für Merkle, der vermutet, dass "der ein oder andere Bieter die Sachen gleich weiterverkaufen wird". Dem OK und dem Auktionshaus kann das egal sein. Die Erlöse der Auktion fließen der Fritz-Walter-Stiftung zu, die den Jugendfußball unterstützt.

Mehr als 600 WM-Objekte sollen dafür sorgen, dass eine beachtliche Summe zusammenkommt. In München, bei der ersten der sechs Auktionen in deutschen WM-Spielorten, waren am Samstag rund 45.000 Euro für die gemeinnützige Franz-Beckenbauer-Stiftung erzielt worden.

"Die Bieter erhalten mit ihren Auktionsstücken deshalb nicht nur ihr privates Erinnerungsstück an die Fußball-WM, sondern zahlen quasi auch für eine gute Sache", sagt Bröker. Auch deshalb sind für den neuen Ballbesitzer Thomas Kölsch die 1010 Euro "gut angelegtes Geld". (Von Thomas Badtke, ddp)

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