Sport : Aus dem Büro gezerrt

Claus Vetter

An sich sind Statistiker in Nordamerika penibel. Im Internet lässt sich zu fast jedem Eishockey-Profi der Welt nachlesen, wann er wo für wen ein Tor geschossen hat. Im Falle von Lorenz Funk junior, Stürmer der Berlin Capitals aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), haben die Macher einer umfassenden Datenbank aus den USA nicht so genau hingeschaut: Dort ist der 32-Jährige bereits 1949 geboren und hat seine erste Saison in der Bundesliga 1979 bestritten. Traut man diesem Teil der Angaben, dann hätte Funk damals bereits 23 Tore für den Berliner Schlittschuh-Club erzielt. Nicht schlecht für einen Zehnjährigen.

Nun ist bei den Capitals Lorenz Funk nicht gleich Lorenz Funk. Einer spielt, der andere ist Marketingchef war mal deutscher Rekordnationaspieler, und irgendwie haben die Statistiker da wohl ein paar Daten durcheinandergeworfen. Funk junior lacht darüber. Mit Verwechslungen muss er leben, seit er Profi ist. Dazu ist die Gestalt seines Vaters zu übermächtig. "Am Montag wurde ich in einem Interview ernsthaft gefragt, wann ich zuletzt gespielt habe." Die Erinnerung daran fiel nicht schwer. Am Sonntag bestritt Funk sein jüngstes Spiel für die Capitals und hatte dabei seinen größten Auftritt in dieser Saison: Funk erzielte das entscheidende Tor zum 2:1-Sieg gegen Kassel und war damit der Held des Abends.

Sonst steht Funk eher selten im Mittelpunkt. Das entspricht seiner Selbsteinschätzung, nach der "ich wenig Talent habe. Ich bin kein Schönspieler, sondern ein Arbeiter, der sich immer wieder beweisen muss." Immerhin reichte es 1993 und 1996 zur Deutschen Meisterschaft mit Düsseldorf. Noch stolzer ist Funk darauf, dass er seit 13 Jahren ohne Unterbrechung in der Ersten Liga spielt. "Das haben nur noch fünf oder sechs andere geschafft." Bruder Florian gehört nicht dazu, obwohl ihm größere Begabung attestiert wurde. Der 31-Jährige lässt inzwischen in der Regionalliga Süd bei den Peißenberg Hornets die Karriere ausklingen.

Eigentlich hatte Funk seine Laufbahn schon im Sommer beendet, nachdem er in Düsseldorf keinen Vertrag mehr erhalten hatte. Er widmete sich dem Aufbau seiner Marketing-Firma und wurde dann doch kurz vor Saisonbeginn von den Capitals quasi aus dem Büro gezerrt. Nach dem Theater um ihre Lizenz kurz vor Saisonbeginn suchten die Capitals händeringend Spieler. Funk senior überredete den Sohn, der dann vier Stunden vor dem ersten Spiel den Vertrag unterschrieb. Diese Entscheidung hat er nicht bereut: "Es macht wieder Spaß und so lange ich den noch habe, ist ein Ende nicht in Sicht." Das könnte die Macher besagter Datenbank irgendwann irritieren. Spätestens dann, wenn Funk junior noch mit 60 Jahren seine Tore in der DEL schießt.

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