Sport : Aus dem Nirgendwo nach Peking Moculescu führt die Volleyballer zu Olympia

Frank Bachner

Berlin - Ein paar Sekunden lang blendete sich Stelian Moculescu ganz aus. Hinter ihm lagen seine Spieler lachend auf dem Boden, die Zuschauer brüllten sich die Seele aus dem Leib, aber Moculescu ging am Sonntagabend aus der Arena in Düsseldorf-Rath, Richtung Kabine, ganz allein. „Da lief ein Film ab“, sagt er. „Da sind neun Jahre runtergebrochen.“

Vor neun Jahren hatte Stelian Moculescu die Volleyball-Nationalmannschaft übernommen. „Ein Wrack, eine Mannschaft, die aus dem Nirgendwo kam.“ Am Sonntag hat diese Mannschaft die Olympia-Qualifikation geschafft. Nach 36 Jahren hat der Deutsche Volleyballverband wieder eine Männermannschaft bei Olympischen Spielen.

Stelian Moculescu hat bewiesen, dass man mit der Nationalmannschaft Erfolg haben kann. Das war seine Mission, sein Triumph über seine Kritiker. „Das Härteste in den neun Jahren“, sagt er, „waren die Widerstände, gegen die ich kämpfen musste.“ Beim Verband wollten sie schnell Erfolge haben, das formulierte der Verbandspräsident Werner von Moltke, ein ehemaliger Leichtathlet. Ziele, die unrealistisch waren und die überzogene Erwartungen weckten. Aber Moculescu ist einer der erfolgreichsten Vereinstrainer der Welt, er hat mit dem VfB Friedrichshafen sensationell die Champions League gewonnen, er lässt sich nicht von Leuten unter Druck setzen, die er nicht als Experten akzeptiert.

Sein erstes Länderspiel verlor er 0:3. „Mit 3:15, 4:15, 5:15, das war die Hinterlassenschaft, die ich übernahm“, sagt Moculescu. Wenn nur ein oder zwei Leistungsträger verletzt waren, brach das ganze System zusammen. Doch je mehr er auf Widerstände stieß, umso verbissener arbeitete er. Er hatte Vertrauen zu seinen Spielern, sie „hatten Vertrauen zu mir“. Nicht alle allerdings, Zuspieler Frank Dehne trat mal verärgert zurück. Er kam zurück, in Düsseldorf spielte er.

Nach Peking gibt der Trainer das Team ab, „ausschließlich“ wegen der Widerstände. „Ich hatte keine richtige Wertschätzung meiner Arbeit.“ Der 58-Jährige fühlt sich „ausgenutzt“, der Verband erwartete offenbar stillschweigend, dass er für wenig Geld arbeitet. „Die werden sich noch wundern, was ein guter Trainer kostet.“ Frank Bachner

0 Kommentare

Neuester Kommentar