Sport : Aus dem Spiel

Die Handball-Ikone Nikola Karabatic muss wegen Betrugsverdachts vor Gericht – eine Haftstrafe droht.

Superstar, den Tränen nah. Nikola Karabatic beteuert seine Unschuld. Foto: dpa
Superstar, den Tränen nah. Nikola Karabatic beteuert seine Unschuld. Foto: dpaFoto: dpa

Paris - Nikola Karabatic hatte Tränen in den Augen, als er von der Nachricht erfuhr. Wahrscheinlich wurde dem Welthandballer von 2007 das tatsächliche Ausmaß der Entwicklungen in diesem Moment zum ersten Mal richtig bewusst.

Am Dienstagabend hat die Staatsanwaltschaft Montpellier ein Strafverfahren gegen den ehemaligen Spieler des THW Kiel eingeleitet. Karabatic muss sich im französischen Wett- und Manipulationsskandal um Rekordmeister Montpellier AHB wegen Betrugs vor Gericht verantworten.

Der 28-Jährige, der erst im Sommer olympisches Gold mit der französischen Nationalmannschaft gewonnen hatte, beteuerte umgehend seine Unschuld. „Dass man mich des Betrugs und der Spielmanipulation beschuldigt, dass man uns den Medien zum Fraß vorwirft, ist inakzeptabel“, schrieb Karabatic in der Nacht zum Mittwoch auf seiner Facebook-Seite. Die ganze Situation sei ein „Albtraum“.

Neben Karabatic wurden gegen sechs andere aktuelle oder ehemalige Spieler Montpelliers sowie fünf weitere Personen Verfahren in die Wege geleitet. Die Handballer stehen im Verdacht, in der vorigen Saison ein Meisterschaftsspiel absichtlich verloren zu haben. Damit sollen sie Verwandten und Bekannten nach jüngsten Behördenangaben hohe Wettgewinne von insgesamt knapp 300 000 Euro ermöglicht haben.

Die Betroffenen, darunter Karabatics Bruder Luka, die Freundinnen der beiden und auch der inzwischen zu Paris SG gewechselte Olympiasieger Samuel Honrubia, müssen vor Gericht. Ihnen drohen wegen Betrug und Korruption bis zu fünf Jahre Haft und Geldstrafen von 75 000 Euro. Zudem darf Karabatic dem Beschluss des Richters zufolge bis auf weiteres weder seine Teamkollegen treffen noch offiziell spielen – etwa im Champions-League-Rückspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt. Karabatic sei de facto „arbeitslos“, klagten die Anwälte.

Das gleiche Schicksal wie die Karabatic-Brüder und Honrubia trifft den Serben Mladen Bojinovic, der wie Honrubia inzwischen zu Paris SG gewechselt ist, sowie die Slowenen Primoz Prost und Dragan Gajic und den Tunesier Issam Tej. Insgesamt wurden am Dienstag Strafverfahren gegen 13 Personen eingeleitet, darunter die beiden Freundinnen der Karabatic-Brüder. Alle wurden gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Ermittlungen waren erst am vergangenen Mittwoch bekannt geworden. Bei der Affäre geht es um die 28:31-Niederlage Montpelliers am 12. Mai beim abstiegsgefährdeten Cesson-Rennes HB. Montpellier stand damals schon als Meister fest, die späteren London-Olympiasieger Karabatic und Honrubia waren wegen Verletzung nicht dabei. Am Sonntag waren Karabatic und seine Kollegen nach einem Spiel noch in der Kabine von Beamten verhört und dann mit Blaulicht und Sirene in Polizeiwagen weggefahren und in Gewahrsam genommen worden.

Während des Spiels bei Cesson-Rennes waren ungewöhnlich hohe Wetteinsätze auf einen Halbzeitrückstand und eine Niederlage des Champions-League-Siegers von 2003 getätigt worden. Die Polizei fand heraus, dass viele Wetten von Frauen, Freundinnen, Freunden und Angehörigen der Spieler abgeschlossen wurden. Aus Polizeikreisen sickerte durch, dass bei der Abhörung von Telefonaten Spieler von „dickem Geld“ gesprochen hätten und davon, „das Spiel zu verlieren“.

Der zweimalige Olympiasieger und zweimalige Weltmeister Karabatic verteidigte sich auf Facebook. „Habe ich gewettet?“, fragte er öffentlich. „Nein, ich habe nicht gewettet. Hat meine Freundin gewettet? Ja. Hat sie mich informiert? Ja.“ Seine Freundin habe das Team seit Jahren verfolgt und kenne die französische Liga eben sehr gut. Helfen wird das Argument wohl wenig, denn der Verband und die Handballszene sprechen von „exemplarischen Strafen“. Das Sportportal „Sports.fr“ sieht knapp zwei Monate nach dem umjubelten Olympia-Gold bereits „die Köpfe rollen“. dpa

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