Sport : Aus dem Tritt

Hertha verliert 1:4 gegen Bremen und Innenverteidiger Simunic nach einem Foul

Michael Rosentritt

Berlin - Christian Fiedler nahm seine Maske vom Gesicht und war nach eigener Auskunft sprachlos. „So können wir nicht auftreten“, sagte er. Der Torwart von Hertha BSC, der sich vor kurzem im Training die Nase gebrochen hatte und daher im Wettkampf zum Schutz eine Maske trägt, hatte im Bundesligaspiel gegen Werder Bremen viermal hinter sich greifen müssen, so oft, wie in keinem anderen Heimspiel in dieser Saison. „Werder hat uns eine Lehrstunde erteilt“, sagte der erregte Fiedler noch. „Das war eindeutig zu wenig von uns, auch wenn wir ein Mann weniger waren.“

Ganz so wortlos wollte Herthas Torwart die nackten Zahlen nicht stehen lassen. Zur 1:4 (0:1)-Niederlage vor 74 220 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion gegen Werder Bremen ließe sich einiges sagen. Vor allem, dass die Bremer die Tore mit einer aufreizenden Leichtigkeit erzielen konnten. Herthas Treffer zum zwischenzeitlichen 1:3 von Gilberto war nicht mehr als ein Ausrutscher. Die Bremer nahmen sich nach der komfortablen Führung erheblich zurück. „Mit dem 0:2 war das Spiel praktisch entschieden“, sagte Herthas Trainer Karsten Heine.

Zwischen der Bremer Führung nach 20 Minuten und dem 2:0 kurz nach der Pause lag noch ein Platzverweis von Josip Simunic. Herthas Innenverteidiger war nach einer guten halben Stunde im Kampf um den Ball mit seinem hoch gestreckten Fuß an die Gesichtshälfte des Bremers Christian Schulz gesprungen. Schulz musste daraufhin ausgewechselt und ins Krankenhaus gefahren werden, wo drei Risswunden unter dem Auge genäht wurden. Am Abend konnte er das Krankenhaus wieder verlassen.

„Das hat die Sache für uns nicht einfacher gemacht“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Pal Dardai über den Platzverweis. Eine Absicht aber wollte niemand dem Sünder unterstellen. „Ich denke, er hat den Schulz nicht gesehen“, sagte der Bremer Trainer Thomas Schaaf. Und sein Kollege Heine hatte eigentlich mit einer Gelben Karte für Simunic gerechnet, „aber nur nach dem, was ich aus meiner Position am Spielfeldrand gesehen habe“. Simunic selbst, der nun innerhalb von zwei Monaten dreimal vom Platz gestellt worden ist, war gestern nicht mehr zu sehen. Ein internes Nachspiel dürfte die Häufigkeit seiner Fehltritte aber haben.

Karsten Heine machte nach der Niederlage einen recht gefassten Eindruck. Zu groß waren gestern die Unterschiede zwischen seiner Mannschaft und den Bremern. Hertha brachte in den 90 Minuten nur einen Schuss aufs Tor zustande, Werder immerhin 14. Vor allem mangelte es im Spielaufbau der Berliner an Präzision. Yildiray Bastürk und Ashkan Dejagah hatten einen schlechten Tag erwischt. Die provisorische Bremer Abwehr hatte auch ohne Per Mertesacker und Naldo keine Probleme. Zuweilen sah es aus, als hätte die Norddeutschen zwei Spieler mehr auf dem Feld. Der Mannschaft von Schaaf gelang es fast immer, in Ballnähe eine Überzahlsituation herzustellen. Lediglich nach dem 1:3 „hatten wir eine Phase, in der wir bissig waren“, sagte Heine.

Herthas Trainer, der auf eine Weiterbeschäftigung als Chefcoach hofft, wird sich so seine Gedanken machen. Zwei, der vier Spiele in seiner aktuellen Amtszeit, sind verloren gegangen. Und die jeweils vor heimischem Publikum. Auswärts dagegen konnte seine Mannschaft zweimal gewinnen. Zählt man die Spiele seiner vorherigen Cheftrainertätigkeit bei Hertha hinzu, wird die Bilanz nicht besser, im Gegenteil: Vier Heimniederlagen stehen drei Auswärtssiege gegenüber. Kommenden Samstag bietet sich eine weitere, die vielleicht letzte Chance für ihn – Hertha empfängt im Olympiastadion Bayer Leverkusen. „Wir wollen den Bock zu Hause endlich umstoßen“, sagte Heine und machte dabei ein maskenhaftes Gesicht.

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