Sport : Aus den Augen verloren

Die NHL kehrt nach einem Jahr Pause zurück – und kämpft um ihren Ruf als populärste Eishockey-Liga

Claus Vetter

Berlin - Wayne Gretzky – kein Spieler verkauft das Eishockey so gut wie der smarte Kanadier. Er brach in der National Hockey League (NHL) alle Rekorde und ist liiert mit einer Filmschauspielerin. Wo Gretzky ist, ist immer ein Stück Hollywood. Zu Lebzeiten haben sie ihm in Edmonton ein Denkmal errichtet, in besseren Zeiten der NHL. Der 44-jährige Gretzky hat seine Karriere 1999 beendet, als es mit der NHL bereits bergab ging. So weit, bis schließlich nicht mehr gespielt wurde. Zwei Drittel der Klubs waren finanziell in der Bredouille und konnten sich mit den Spielern nicht über die Einführung einer Gehaltsobergrenze, den „Salary Cap“, einigen. Das hat jetzt geklappt und nach einem Jahr Pause kehrt die NHL heute zurück. Mit neuen Regeln und einem alten Gesicht: Gretzky soll als Trainer der Phoenix Coyotes helfen, das Image der Liga aufzupolieren. „Wir müssen versuchen, mit harter, ehrlicher Arbeit die Fans zurückzugewinnen“, sagt er.

Denn die Fans sind verärgert. Das illustrieren niedrige Dauerkartenverkaufszahlen, vor allem in den USA, wo 24 der 30 NHL-Teams beheimatet sind. In Kanada, wo Eishockey unumstrittene Sportart Nummer eins ist, werden die Arenen voll sein. In den USA aber ist Eishockey durch die NHL-Pause in der Popularitätsskala der Profisportarten auf Rang acht zurückgefallen – hinter Wrestling und College Football. Denn vergangene Saison kurvten viele NHL-Stars in Europa herum, die Anhänger verloren sie aus den Augen. Aber es war eine lehrreiche Zeit für die NHL, die sich in Europa viel abgeschaut hat: Es wird keinen Zwei-Linien-Pass mehr geben, und endet ein Spiel unentschieden, wird nach der Verlängerung das Penaltyschießen entscheiden – so wie in Europa. Zudem wurden die Beinschienen der Torhüter verkleinert. Die Verantwortlichen erhoffen sich mehr Tore und somit bessere Unterhaltung.

Auch in finanzieller Hinsicht hat die NHL einen neuen Kurs eingeschlagen. Früher haben sich die Klubs im Ringen um die Stars immer häufiger überboten. Die Explosion der Gehälter hatte den Klubs 2003/2004 Verluste von 273 Millionen Dollar gebracht. Pat LaForge, Präsident der Edmonton Oilers, sagte: „Wir haben 75 Cent von jedem eingenommenen Dollar an die Spieler weitergeleitet. Das war ein krankes Geschäft.“ Nach Einführung der Gehaltsobergrenze darf jeder Klub nun noch 39 Millionen Dollar für sein Team ausgegeben. Don Jackson, Stanley-Cup-Sieger mit Gretzky bei den Oilers und nun Trainer bei der Düsseldorfer EG in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), glaubt, „dass die NHL auf einem finanziell gesunden Weg ist und ihre alte Popularität schnell zurückgewinnen wird“. Danach sieht es nach der Pause aber bislang noch nicht aus: Ein Kabelsender zahlt der Liga für die Fernsehrechte in den kommenden zwei Jahren nur 135 Millionen Dollar. Ein Almosen im nordamerikanischen Profisport.

Denn die sportliche Qualität der Liga ist eher gesunken – eine Folge des „Salary Caps“. Die New York Rangers zum Beispiel geben für neun Millionenverdiener um Topstar Jaromir Jagr (8,36 Millionen Dollar Jahresverdienst) schon 30 Millionen Dollar aus und haben damit ihr erlaubtes Budget fast ausgereizt. Kein Wunder also, dass bei den Rangers schon in der dritten Sturmreihe Spieler auflaufen werden, die früher in der NHL kaum eine Chance bekommen hätten. Bei anderen Klubs ist es ähnlich: Der Itzehoer Sven Butenschön etwa, in der DEL in Mannheim Mittelmaß, verteidigt nun in Vancouver – für 450 000 Dollar Jahresgage. Damit verdient Butenschön mehr als seine Landsleute Marcel Goc, Christian Ehrhoff, Dimitri Pätzold (alle San Jose), Denis Seidenberg (Philadelphia) und Michael Hackert (Detroit), die alle um einen Stammplatz in der NHL kämpfen. Verteidiger Christoph Schubert wird dagegen der Durchbruch bei den Ottawa Senators zugetraut. Die drei Millionenverdiener unter den Deutschen in der NHL haben den lange hinter sich: Torwart Olaf Kölzig (Washington) sowie die Stürmer Marco Sturm (San Jose) und Jochen Hecht (Buffalo). Für Hecht ist es ein Segen, dass es in der NHL weitergeht. „Erst zum Ausklang meiner Karriere möchte ich wieder in meiner Heimatstadt Mannheim spielen“, sagt er. „Denn die NHL ist für mich das Größte.“

Eine Meinung, die nicht alle Profis teilen. Mancher Russe etwa bleibt lieber in der Heimat. Da hilft auch kein Lächeln von Gretzky: Denn in Russland gibt es nun mehr Geld zu verdienen als in der NHL. Für die Budgets der Vereine und die Spielergehälter gibt es keine Obergrenze.

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