Sport : Aus der Defensive

Niko Kovac geht davon aus, dass er Hertha bald verlassen muss – mit ihm wurde noch nicht verhandelt

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Eigentlich sollte der Termin gar nicht stattfinden. Die Pressekonferenz mit Niko Kovac, dem Mittelfeldspieler von Hertha BSC, war kurzerhand abgesagt worden. Doch Kovac schlenderte in Badelatschen und weißer Jogginghose über Herthas Trainingsgelände hinüber zu der kleinen Gruppe von Journalisten und fing einfach an zu plaudern. Schließlich hatte er auch etwas Interessantes zu erzählen: „Ich gehe davon aus, dass ich meine Laufbahn nicht in Berlin beenden werde.“

Dieser Satz saß. Denn Niko Kovac ist nicht irgendein Spieler. Sein Stellenwert beim Berliner Fußball-Bundesligisten ist hoch, Kovac ist Mitglied des Mannschaftsrates. Warum sagt er einen solchen Satz? Der Vertrag des 34-Jährigen läuft am Ende dieser Saison aus. „Von Hertha hat noch niemand mit mir gesprochen. Wir haben heute den 28. März, am 13. Mai endet die Saison“, sagt Kovac. Das hört sich nach viel Zeit an, aber die Planung für die kommende Spielzeit ist bei allen Bundesligaklubs schon in vollem Gange. Herthas Manager Dieter Hoeneß wollte dazu gestern keine Stellung beziehen, er sagte nur: „Ich werde mich dazu nicht äußern.“

Auch Hertha hat bereits aktiv mit der Personalplanung begonnen. So wurde kürzlich als Erstes der auslaufende Vertrag mit dem 22-jährigen Verteidiger Malik Fathi verlängert. Bereits in der Winterpause war der Vertrag mit Trainer Falko Götz verlängert worden.

Kovac ist in Berlin aufgewachsen, er begann seine Profikarriere bei Hertha, spielte von 1991 bis 1996 für den Klub und kehrte 2003 nach Stationen in Leverkusen, Hamburg und bei Bayern München zurück nach Berlin. Eigentlich würde nicht viel dagegen sprechen, dass er seine aktive Laufbahn hier beendet.

Mit Dick van Burik – der 32 Jahre alte Innenverteidiger befindet sich mit seinem auslaufenden Vertrag in einer ähnlichen Situation wie Kovac – hat der Klub bereits konkrete Verhandlungen aufgenommen. Vor diesem Hintergrund ist die abwartende Haltung des Managements vielleicht als Indiz dafür zu werten, dass Kovac keinen neuen Vertrag erhalten wird. Auf der Position des kroatischen Nationalspielers gibt es im Team der Berliner einige Alternativen. Der 19-jährige Kevin-Prince Boateng hat sich in dieser Saison zum Stammspieler entwickelt. Der 25-jährige Oliver Schröder und der 22-jährige Sofian Chahed, deren Verträge definitiv verlängert werden sollen, spielten zuletzt vor der Abwehr. Und auch der Vertrag von Pal Dardai läuft noch ein weiteres Jahr. Kovac hatte den Ungarn in der vergangenen und in dieser Spielzeit zwar verdrängt, doch wenn Dardai zu Einsätzen kam, spielte er konstant.

Mit dem Vorstoß von Marcelinho, der während des Winter-Trainingslagers in Marbella vor versammelter Presse angekündigt hat, seinen 2007 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen, ist Kovacs Manöver nicht zu vergleichen. Hinter dem Vorstoß von Kovac steckt eine nachvollziehbare Strategie. Er würde gern in Berlin bleiben. „Ich werde in erster Linie mit meinem jetzigen Verein reden“, sagt er.

Niko Kovac geht in die Offensive. Er hat Hoffnung geschöpft, weil Trainer Götz seine Mannschaft zuletzt dreimal hintereinander mit zwei defensiven Mittelfeldspielern auflaufen ließ und damit Erfolg hatte. „Das ist die richtige Entscheidung, die der Trainer da getroffen hat. Mir liegt dieses System auch“, sagt Kovac. Andererseits weiß er, dass er zu den Großverdienern des finanziell angeschlagenen Vereins zählt und den größten Teil seiner Karriere hinter sich hat.

Seine womöglich letzten sieben Pflichtspiele für Hertha BSC will Niko Kovac auf jeden Fall bestreiten. „Ich hoffe und gehe davon aus, dass ich dabei bin“, sagt er. Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 könnte dieser Umstand für den Kroaten an Bedeutung gewinnen. „Das ist aber nicht ausschlaggebend“, sagt Kovac, der Kapitän der kroatischen Auswahl. Sein Stellenwert innerhalb der Nationalmannschaft sei hoch genug, um auch ohne Spielpraxis sicher zum Kader zu gehören. An Selbstbewusstsein hat es dem Mittelfeldspieler nie gefehlt.

Kurz bevor Niko Kovac gestern das Trainingsgelände verließ, wollte er noch etwas anderes los werden. „Übrigens: Wir werden Weltmeister.“

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