Sport : Aus der Karibik zum Gold

Der Außenseiter Kim Collins gewinnt bei der WM die 100 m – Montgomery wird nur Fünfter, Greene gar nicht im Finale

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Paris (Tsp). Marion Jones lehnte an der grünen Bande im Zielraum und konnte kaum still stehen vor Nervosität. Doch am Ende half alles Daumendrücken nichts: Ihr Lebensgefährte Tim Montgomery konnte sich in Paris den Traum vom ersten Weltmeistertitel über 100 m nicht erfüllen. Dem am 28. Juni geborenen Tim jr. wird das schnellste Paar der Welt eines Tages erzählen, dass der Papa an diesem Tag einen Tick zu langsam war – für Kim Collins. Der, Sieger in 10,07 Sekunden, kommt nicht aus der Sprintnation USA, sondern von den Karibikinseln St. Kitts & Nevis. Die haben jetzt erstmals einen Leichtathletik-Weltmeister. Weltrekordler Montgomery, der „mit dem einzigen Ziel hierher gekommen war, den Titel zu holen“, wurde nur Fünfter.

Der dreifache Weltmeister Maurice Greene saß zu diesem Zeitpunkt wohl bereits beim Arzt. Im Halbfinale war er ins Ziel gehumpelt und hatte sich danach mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Oberschenkel gefasst. „Mein Muskel hat peng gemacht“, erklärte der Amerikaner später im Interview mit Marion Jones. Er sprach von einem „großartigen Start“, aber nach gut 50 Metern lief er seinen härtesten Konkurrenten schon hinterher. Seine neuen Schuhe mit dem großspurigen Namen „The Demolisher“ (Der Zerstörer) nutzten ihm da gar nichts mehr.

Während die dreimalige Olympiasiegerin Marion Jones im Stade de France dieser Tage quietschfidel als Eurosport-Mitarbeiterin auftritt und bereits Pläne für Athen 2004 schmiedet, scheinen Tim Montgomery die aufregenden letzten Monate die entscheidenden Zehntelsekunden gekostet zu haben. Wenigstens bleibt dem 28-Jährigen der Weltrekord (9,78 Sekunden), den er im vergangenen Jahr im Pariser Stadion Charlety aufgestellt hatte.

Der 27-jährige Außenseiter Kim Collins, der zwei Jahre nach seinem Bronze-Gewinn über 200 m diesmal siegte, setzte sich in einem Fotofinish in 10,07 Sekunden mit nur einer Hundertstelsekunde Vorsprung vor Darrel Brown (Trinidad) und dem Briten Darren Campbell durch. Europameister Dwain Chambers wurde in 10,08 Sekunden zeitgleich mit Brown und Campbell Vierter.

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