Sport : Aus der Mode gekommen

Alba Berlins Eurocup-Gegner Treviso kämpft um das Überleben – weil Eigentümer und Namens-Sponsor Benetton aussteigt.

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Berlin - Ein Aus im Eurocup ist ärgerlich. Das mussten die Basketballer von Alba Berlin erleben: Für sie geht es nach vier Niederlagen in vier Zwischenrundenspielen heute gegen Pallacanestro Treviso (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) um nichts mehr. Für den Gegner aus Italien geht es dagegen um mehr als um das Erreichen des Viertelfinales – es geht ums nackte Überleben.

Nach 30 Jahren zieht sich Eigentümer und Namens-Sponsor Benetton am Saisonende zurück. Ein neuer Geldgeber ist noch nicht gefunden. „Eines der schillerndsten Basketball-Programme Europas“, wie es Alba-Geschäftsführer Marco Baldi nennt, steht vor dem Aus. Erfolge im Eurocup wären wichtig für Treviso, um für Sponsoren attraktiv zu sein.

Der Aufstieg und Fall des Spitzenklubs aus der Region um Venedig ist nicht nur ein Beispiel für die verblasste Dominanz des italienischen Basketballs in Europa. Sondern auch dafür, wie es Klubs ergehen kann, die auf NBA-Stars gesetzt hatten, die wegen des Arbeitskampfes in der amerikanischen Liga kurzfristig auf dem Markt waren. Und was passiert, wenn sie mitten in der Saison wieder verschwinden.

Es begann 1982, als der Modekonzern in den Basketball investierte. Eine Sportstadt wurde vor den Toren Trevisos errichtet, Meistertitel und Europapokale gewonnen. Die Firma gab jedes Jahr bis zu zwölf Millionen Euro zum Etat. Stars wie Toni Kukoc, später NBA-Meister mit Chicago, Andrea Bargnani, heute bester Werfer der Toronto Raptors, oder Albas DaShaun Wood wirkten hier, ebenso wie Vinny Del Negro, Mike D’Antoni und Ettore Messina, heute allesamt Trainer in der NBA.

Dazu kam ein neues Konzept. „Wir haben als einer der ersten Klubs die Wichtigkeit von Scouting erkannt und überall Talente gefunden“, sagt Maurizio Gheradini, bis 2006 Manager und Vater des Erfolges. Treviso hatte oft bis zu 25 Spieler, verlieh Talente, sicherte sich Optionen. Dann ging Gherardini nach Toronto, wo er heute Vizepräsident ist. Seine Nachfolger versuchten es mal mit jungen, mal mit alten Spielern, ohne viel Erfolg.

Vor einem Jahr kam der Schock. Der strauchelnde Konzern wollte sich nicht nur von der Börse zurückziehen, sondern auch aus dem Profisport. In der Not setzte Treviso auf drei NBA-Profis, die wegen des geplatzten Saisonstarts in Amerika zu haben waren. Sie versprachen, ein ganzes Jahr zu bleiben. Und waren weg, als die NBA wieder begann. Auch in Mailand gingen NBA-Stars – als Ersatz holte man Trevisos Topscorer Alessandro Gentile.

Nach vielen Umbauarbeiten im Kader steht Treviso in Italien auf Rang 13. „Es ist nicht einfach, wir hatten eine Menge Schwierigkeiten und Unsicherheiten“, sagt Trainer Sasha Djordjevic, einst ein großer Spielmacher. „Aber das Team und ich haben nie Alibis gesucht.“

Der Klub verhandelt derzeit mit zwei ausländischen Firmen und zwei Investoren aus der Region. Bis März soll es Klarheit geben. Der Name, die Farben, das Budget – alles würde sich ändern, auf kleinerem Niveau, bei einem Etat von sechs Millionen Euro. Weniger als Alba hat.

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