Sport : Aus der Not heraus

Jörg Strohschein

Christoph Daum wird Trainer des 1. FC Köln. Das ist allein schon deshalb seltsam, weil Daum aus seinem Selbstverständnis heraus wohl noch nie zuvor die Zweite Liga als seinen möglichen Arbeitsplatz betrachtet hatte. Allein die Tatsache, dass der 53-Jährige einen Vertrag mit dem FC abgeschlossen hat – in der Stadt, in der er lebt und in der er beliebt ist wie kein anderer Trainer dieser Republik –, macht die Sache einigermaßen erklärlich.

Nach seiner Kokain-Affäre, die ihn als Persona non grata zunächst den Posten des Bundestrainers kostete und auch eine Karriere als Trainer bei einem namhaften Klub verhinderte, scheint Daum in Deutschland nun rehabilitiert zu sein. Noch nicht einmal Bayern-Manager Uli Hoeneß, einer der größten Kritiker Daums, meldete sich während der Verhandlungen mahnend aus München zu Wort. Gestärkt geht der Fußballlehrer aus den kuriosen Verhandlungen mit dem 1. FC Köln allerdings nicht hervor. Denn das Zustandekommen seines Vertrages hinterlässt viele Fragen.

Hat Daum auf ein besseres Angebot gewartet und deshalb zunächst abgesagt und nun zur Notlösung gegriffen? Und welchen Zweck hatte die Pressekonferenz in einem Kölner Krankenhaus, die zu nichts außer Verwirrung bei allen Beteiligten führte? Dass ein Traditionsklub wie der 1. FC Köln dieses Verhalten seines Wunschkandidaten toleriert, zeigt, wie hilflos die handelnden Personen sind. Köln muss aufsteigen – dafür nimmt die Vereinsführung sogar jede Daum’sche Vorführung in Kauf. Die Not in Köln ist sehr groß. Wie groß ist sie bei Daum?

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