Sport : Aus der Traum

Hertha BSC verabschiedet sich mit einer 0:1-Niederlage in Porto aus dem Uefa-Pokal

Sven Goldmann

Porto. Boavista Porto schien schon gar nichts mehr einzufallen. Zu sicher stand der Gegner in der Abwehr, zu einfallslos wurden die eigenen Angriffe vorgetragen. Und dann kam diese Unachtsamkeit des Kontrahenten, die einzige im ganzen Spiel. Und es ging plötzlich alles ganz einfach: Eine Ecke, die neunte für Porto, segelte in den Strafraum von Hertha BSC, wurde mit dem Kopf verlängert auf den Kopf von Avalos, der den Ball aus Nahdistanz im Netz versenkte. 1:0 (0:0) gewann Boavista Porto vor 5500 Zuschauern das Rückspiel im Uefa-Cup-Achtelfinale. Eine ganz bittere Niederlage für Hertha BSC. Die Mannschaft von Huub Stevens ist damit trotz ihres 3:2-Sieges im Hinspiel ausgeschieden. Weil bei Torgleichheit die Auswärtstore zählen. Porto trifft nun im Viertelfinale am 13. und 20. März auf den FC Malaga, den Tabellenzwölften aus Spanien.

Nach dem Treffer gab es für rund zwei Minuten lang unübersichtliche Tumulte auf dem Spielfeld. Was genau der Auslöser war, dass Herthas Torwart Kiraly plötzlich in der Nähe des gegnerischen Strafraums mit Portos Torwart Ricardo aneinanderrasselte, bleibt wohl das Geheimnis des temperamentvollen Ungarns. Auch Herthas Ersatzspieler mischten bei dem Disput mit. Solcher Widerstand nutzte nichts. Das Tor galt ohnehin. Hingegen wurde Hertha wenig später der vermeintliche Ausgleich aberkannt – zu Recht, wegen klarer Abseitsstellung.

Hertha hätte sich im Estadio do Bessa durchaus heimisch fühlen können. Wie das Berliner Olympiastadion so ist auch die Anlage von Boavista Porto derzeit eine Großbaustelle. Hinter beiden Toren verdeckten hohe Wellblechzäune nur mäßig die aufgefahrenen Bagger und Kräne. Das Stadion wird im Hinblick auf die Europameisterschaft 2004 modernisiert. Den äußeren Umständen war es allerdings nicht zuzurechnen, dass die Gäste zunächst keinen rechten Spielfluss fanden. Allerdings arbeiteten die Herthaner sehr konzentriert, gerade im Mittelfeld konnte der Elfte der portugiesischen Liga keine klaren Akzente setzen.

Hertha überwand selbst den Bange machenden Auftakt souverän. Da hatte sich Kiraly nach einer Minute und 43 Sekunden Spielzeit bei einem Schuss von Portos Elpidio Silva gleich mächtig strecken müssen, um den Ball um den Pfosten zu drehen. „Phantastisch gehalten“, lobte Dieter Hoeneß. Van Burik und Simunic sahen in dieser Szene freilich recht hilflos aus. Es blieb dann aber die einzige echte Torchance für die Gastgeber in der ersten Häfte.

Auch die Herthaner konnten ihre 200 mitgereisten Fans nicht unbedingt mit großer Offensivlust unterhalten. Aber die Mannschaft hätte durchaus auch selbst in Führung gehen können. Zweimal war allein Michael Preetz einem Treffer sehr nahe. Beide Male setzte er den Ball über die Torstange. Hertha schien alles unter Kontrolle zu haben. Die Abwehr stand kompakt, Gefahr drohte Hertha nur ab und zu, wenn Boavistas Stürmer Elpidio Silva in Strafraumnähe vom Ball Besitz ergriff. Oder wegen eigener Unbeherrschheit. Pal Dardai, schon mit Gelb verwarnt, ging einen Zweikampf mit Portos Goulart derart rustikal an, dass ihm der Schiedsrichter Goulart Gelb-Rot zeigte (66.). Auf diese Weise dezimiert erarbeitete sich überraschend Hertha noch zwei klare Möglichkeiten. Aber Alves und dann Marx scheiterten an Torwart Ricardo. Dann flog auch Portos Anunciacao wegen wiederholten Foulspiels vom Platz. Aus dem wieder hergestellten numerischen Gleichgewicht zog aber nur Porto Profit.

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